Am 27. Januar, um 14 Uhr, setzen die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und Frankfurt Postkolonial vor der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main ein Zeichen. Die Schirn hat mit der Ausstellung „König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika“ zum einen gezeigt, dass die Leitung dieser öffentlichen Institution nur mangelhaft geschichtliche Verantwortung übernimmt und dass ein offener Dialog mit Menschen afrikanischer Herkunft und Schwarzen Menschen als nicht notwendig erachtet wurde.

Noch bis 27.01. präsentiert die Kunsthalle Schirn Arbeiten von Wilhelm Kuhnert (1865 – 1926), ein kommerziell erfolgreicher Maler, der in deutsch-kolonialen Kontexten sowohl Wild als auch Menschen jagte. So schloss er sich im damaligen sogenannten ‚Deutsch-Ostafrika‘ (heute Tansania) den deutschen Kolonialtruppen an und kämpfte gegen die ansässige Bevölkerung, die sich gegen deutsche Repressionen und Herrschaftsansprüche aufzulehnen suchte.

Sein Blick prägt bis in unsere Tage hinein ein europäisches Zerrbild afrikanischer sowie afrodiasporischer Lebensrealitäten. Seine monumentalen, herrschaftlich stilisierten Tierbilder in menschenleeren afrikanischen Steppenlandschaften wurden vor allem auf Kolonialausstellungen sowie Völkerschauen (sog. ‚Menschenzoos‘) präsentiert und fanden Eingang in die damalige von kolonialen Ambitionen geprägte Pädagogik. Auch heute noch hängen seine Bilder in Zoos oder privaten Sammlungen. Lediglich in seinen unveröffentlichten Skizzen verarbeitete Kuhnert auch die Grausamkeiten der kolonialen Realitäten und porträtierte Afrikaner*innen in unterwürfiger Haltung oder als Gehängte und tot. Er hatte wohl verstanden, dass der Blick auf die Gräueltaten der deutschen Kolonialherren schlecht für den Kommerz wäre. Letztlich beteiligte sich Kuhnert mit zweierlei Werkzeugen an der kolonialen Aneignung von Menschen, Land und Tieren: mit dem Pinsel und mit dem Gewehr. Seine Werke stehen stellvertretend für  die menschenverachtende und autoritäre Ignoranz im Kontext der deutschen Kolonialgeschichte, was in der Ausstellung allerdings nicht so klar benannt wird.

Aus unserer Sicht reproduziert die Schirn mit dieser Retrospektive auf Kuhnerts Werk den kolonialdeutschen Macht- und Herrschaftsanspruch des 19./20. Jahrhunderts ungebrochen und fast unkommentiert. Auf entsprechende Kritik reagierten Leitung und PR-Abteilung unzureichend, wohingegen ein öffentlicher Dialog mit dem Zoo gepflegt wird, einer Institution, die letztlich selbst aus kolonialen Perspektiven entstand.

Wir plädieren dafür, historisch positionierte Kunst im gegenwärtigen, reflektierten Kontext zu zeigen und damit einen künstlerischen sowie gesellschaftlichen Diskurs um ein deutsches postkoloniales Verständnis zu fördern.

Bei Nachfragen wenden Sie sich direkt an: siraadwiedenroth@isd-bund.org