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Bündnis „Decolonize Berlin“

14.01.2019 PRESSEMITTEILUNG

Deutschland muss endlich Restitutionsprozess starten

Bündnis DECOLONIZE BERLIN fordert Bund und Länder dazu auf, bis zur Eröffnung des Humboldt Forums 2019/20 mit der Rückgabe von kolonialem Raubgut ernsthaft zu beginnen Als Ausdruck und Beleg der aufrichtigen Bereitschaft der Bundesrepublik Deutschland zur Rückgabe von Museumsobjekten, die im kolonialen Unrechtskontext angeeignet wurden, müssen der geplanten Restitution von zwei Objekten aus Hendrik Witboois Privatbesitz durch Baden-Württemberg bis Anfang 2020 Restitutionen von weiteren Kulturschätzen folgen. Das betrifft vor allem die bereits seit Jahrzehnten zurückgeforderten, von britischen Truppen geplünderten Benin Bronzen sowie weitere Objekte, die von herausragender Bedeutung für die Herkunftsgesellschaften sind.

Dringlichkeit ist vor allem auch für Deutschlands Vorzeigeprojekt Humboldt Forum geboten, dessen Dauerausstellung im Frühjahr 2020 eröffnet werden soll. Eine Präsentation von kolonialem Raubgut im rekonstruierten Palast der brandenburgischpreußischen und deutschen Kolonialherrscher, die ohne die ausdrückliche Zustimmung der Herkunftsgesellschaften erfolgt, käme einer kolonialen Trophäenschau gleich. Sie verbietet sich daher von selbst – wie das die Kulturstaatsministerin Monika Grütters beim Richtfest 2015 zu Recht betont hat.

Mittelfristig erwarten wir von den Museen in Trägerschaft der Bundesregierung und der Bundesländer an die Herkunftsgesellschaften gerichtete Angebote für die materielle und juristische Restitution aller Objekte aus kolonialen Unrechtskontexten, deren rechtmäßiger Erwerb von den Museen nicht nachgewiesen werden kann. Im Laufe der kommenden fünf Jahre müssen die praktischen Voraussetzungen für die Übergabe aller zurückgeforderten Kulturschätze aus der Zeit der direkten deutschen Kolonialherrschaft in Afrika, Asien und Ozeanien 1884–1918 geschaffen werden.

Kontakt: Bündnis DECOLONIZE BERLIN, buero@berlin-postkolonial.de, 01799 100 976