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Aufarbeitung von Kolonialunrecht: Holland geht, Deutschland steht

Berlin Postkolonial e.V.

Pressemitteilung

Berlin, 8.3.2019

 

Während Deutschland erneut seiner Verantwortung für den Völkermord an den Herero und Nama entflieht, bieten die Niederlande eine Rückgabe von Kolonialbeute an

Am selben Tag, an dem ein New Yorker Gericht sich nach langem Zögern für nicht zuständig bzgl. der von Herero und Nama eingereichten Klage auf Entschädigung für ihre Verluste im Völkermord 1904-08 gegen die Bundesrepublik Deutschland erklärt, geben Hollands staatliche ethnologische Sammlungen bekannt, dass sie zur Rückgabe angeeigneten Kulturguts bereit sind, das – insbesondere im Zuge des Kolonialismus – nach Holland gelangt ist.

Wie die NLTimes am 7.3.19 berichtete, wird das Niederländische Museum für Weltkulturen NMVW (ein Zusammenschluss staatlicher Museen in Leiden, Amsterdam und Berg en Dal) dabei nicht auf Restitutionsforderungen warten, sondern in seinen Sammlungen proaktiv nach Objekten suchen, die unfair erworben wurden, und diese online dokumentieren. Für Rückgabeforderungen hat das NMVW zudem sehr klare Prinzipien und einen genauen Fahrplan entwickelt.

Als ein besonders prominentes Beispiel von Kulturschätzen, die zur Rückgabe anstehen, benennt Museumsdirektor Stijn Schoonderwoerd die in Hollands staatlichen Museen vorhandenen Benin-Bronzen – von denen sich zahlreiche auch in deutschen Museen (u.a. Berlin, Hamburg, Dresden, Leipzig, Köln) befinden. Ihr Raub durch britische Kolonialtruppen bei der Zerstörung von Benin City (Nigeria) im Jahre 1897 steht außer Zweifel. Dennoch haben sich die europäischen Museen bisher nur zu „Leihgaben“ an Nigeria verpflichten wollen.

Damit folgen die Niederlande noch vor Frankreich den Empfehlungen der von Staatspräsident Macron mit einem Gutachten beauftragten Expert*innen Felwine Sarr und Bénédicte Savoy. Das Team ist für eine geordnete Rückgabe von Objekten eingetreten, die im Zuge der französischen Kolonialherrschaft aus dem subsaharischen Afrika nach Frankreich verbracht wurden. Die niederländischen Pläne gehen nun sogar noch über den vorgegebenen Rahmen des französischen Berichts hinaus, indem sie sich weder auf Afrika noch auf den niederländischen Kolonialkontext beschränken.

Der tansanische Aktivist Mnyaka Sururu Mboro von Berlin Postkolonial sagt dazu:„Die Initiative der niederländischen Staatsmuseen ist ein Durchbruch. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz muss nun beispielgebend für Deutschland nachziehen, will sie das Gesicht nicht verlieren. Ohne Zustimmung der Herkunftsgesellschaften dürfen im Humboldt Forum keine Kulturschätze gezeigt werden. Die Benin-Bronzen gehören den Menschen in Nigeria!“

Kontakt: Berlin Postkolonial e.V., buero (at) berlin-postkolonial.de, 01799 00 976

Richtlinien des NMVW vom 7.3. 2019 (in Englisch): https://www.volkenkunde.nl/nl/over-museum-volkenkunde/pers/nmvw-publiceert-principes-voor-claims-koloniale-collecties 

NLTimes vom 7.3.2019: https://nltimes.nl/2019/03/07/dutch-museum-ethnology-give-back-art-stolen-cultures

DutchNews.NL, 7.3.2019https://www.dutchnews.nl/news/2019/03/dutch-museums-willing-to-return-stolen-art-to-former-colonies/