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Wie der Deutschlandfunk gestern mitteilte ist Okwui Enwezor, zuletzt langjähriger Kurator am Haus der Kunst in München, im Alter von 55 Jahren, nach schwerer Krankheit, verstorben. Was für ein Verlust! Nicht allein für die Kunstwelt, sondern besonders für die Community. 

Bereits das Spiegel-Interview vom 17. August mit Okwui Enwezor war sehr berührend: das persönliche Schicksal seiner Krankheit und der Verlust seiner Berufung, durch den faktischen Rauswurf .

Herr Enwezor als Direktor hat das Haus der Kunst zur Institution gemacht, zum Meilenstein werden lassen, zum global agierenden Museum internationaler Gegenwartskunst in ihrer Bandbreite.

Ein Besuch im Haus der Kunst war in den vergangenen Jahren Vorfreude, die regelmäßig in Begeisterung mit langem Nachklang mündete. 

Beispielsweise öffneten der Artist-Talk und Ausstellungen, wie die der Malerin Lynette Yiadom-Boakye und erst kürzlich des Bildhauers El Anatsui das HDK einem neuen Publikum. Okwui Enwezor machte Museum zu einem Ort an dem es möglich ist auch Schwarze Perspektiven zu finden.

Als Kurator nahm Okwui Enwezor in den vergangenen 7 Jahren den Geist ernst, in dem die ehemalige unrühmliche Nazi-Institution „Haus der deutschen Kunst“ nach dem zweiten Weltkrieg als Haus der Kunst wiedereröffnet worden war. 

Im heutigen Klima in dem Grenzen und Zäune herbeigebrüllt und konstruierten Leitkulturen nachgetrauert werden, ist diese selbstverständliche Öffnung die richtige Antwort. 

Herr Enwezors Engagement hat Kunst als eine globale Angelegenheit in den Fokus gestellt. Er hat die Einbahnstraße im Verhältnis sogenannter Zentren zu Peripherien aufgebrochen und kritisch die Frage kolonialen Kulturgebarens gestellt. Enwezor hat Museum als Ort des Konservierens westlicher Deutungshoheit befreit. 

Bleibt zu hoffen, dass die Zeit sich nicht zurückdrehen lässt. Aber ist man bereit, um engagiert die nächsten Schritte zu gehen, die Auseinandersetzung auf breitere Füße zu stellen, u.a. die Rückgabe von kolonialer Aneignung in hiesigen Museen voranzutreiben?

Der Blick auf diese Welt ist auch in der Kunst kein Exklusivrecht.

Okwui Enwezor macht über Ausstellungen und Projekte besonders deutlich, dass unsere Leben zu vernetzt, empfindsam abhängig und zu vielschichtig sind, als dass nur ein Blick von Westeuropa und Nordamerika genügte um sie zu begreifen.

An dieser Stelle: Herzlichen Dank lieber Okwui Enwezorund mein tiefempfundenes Beileid für Freundeskreis und Angehörige

Christiane Della