Publikationen

Ausstellungskatalog Homestory Deutschland


Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der zum Preis von € 15.00 unter info[AT]homestory-deutschland[PUNKT]de bestellt werden kann.

Seit vielen Jahrhunderten leben Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland, allerdings ist über ihre Präsenz bislang nur wenig bekannt. Während sie in der offiziellen Geschichtsschreibung als eigenständige Gruppe kaum auftauchen, dominieren in öffentlichen Diskursen zumeist stereotype Klischees. Rassistische Bilder- und Vorstellungswelten sind ein ernst zu nehmender Ausdruck historisch gewachsener Machtverhältnisse, innerhalb derer vergangene und gegenwärtige Schwarze Lebenswirklichkeiten verzerrt oder zum Schweigen gebracht werden.

Die Geschichte von AfrikanerInnen und Menschen der afrikanischen Diaspora ist geprägt von kolonialer Gewalt, die mit europäischen Expansionen, Sklavenhandel, Vertreibung und Mord ihren Anfang nahm. Sie ist jedoch zugleich eine Geschichte widerständigen Überlebens, denn die zahlreichen Kämpfe um die bewusste Bewahrung und vielstimmige Neuformulierung kultureller Traditionen brachten in den Amerikas und in Europa unterschiedliche und dennoch beziehungsreiche Schwarze Gemeinschaften hervor.

Auch in Deutschland eröffnen sich Schwarze Communities ihre eigenen Artikulationsräume immer wieder neu. Sowohl in historischen und politischen Auseinandersetzungen als auch in literarischen, musikalischen und künstlerischen Arbeiten kommt dabei der respektvollen Wertschätzung und Weitergabe von gelebten Erfahrungen eine zentrale Bedeutung zu. Schwarze Menschen haben ihre Geschichten zu erzählen, und sie sprechen für sich selbst!

Katalog-Cover

Homestory Reader

Jugendreader

Im Rahmen der Ausstellung 2012/13 ist zur pädagogischen Vermittlung der Ausstellungsinhalte, mit freundlicher Unterstützung von der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«, im Oktober 2012 ein Reader für SchülerInnen, LehrerInnen und PädagogInnen entstanden. Dieser pädagogische Reader kann von Schulen, Pädagogen und anderen Bildungseinrichtungen, gegen eine Spende in Höhe von 10€ unter info[ÄT]homestory-deutschland[PUNKT]de bestellt werden.

"Spiegelblicke – Perspektiven auf Schwarze Bewegung in Deutschland"

Der ISD-Sammelband wurde anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Vereins von Camilla Ridha, Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum, Denise Bergold-Caldwell, Eleonore Wiedenroth-Coulibaly, Hadija Haruna-Oelker und Laura Digoh herausgegeben.

Das heute Erreichte verdanken wir dem Engagement der Aktivist*innen vorangegangener Generationen. [...] (Jonas Berhe & Julius Franklin 2015)

Essays, Porträts, analytische Texte, Storytellings und Foto-Reportagen. Der Sammelband will vielen Menschen einen Zugang zur Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland und ihrer Bewegung bieten. Im Entstehungsprozess wurden Geschichte(n) nachgeforscht, erarbeitet und zusammengetragen.

[...] Was immer uns hilft, die nächste Generation zu unterstützen, unser Wissen zu teilen - wir sollten es ins Auge fassen.[...] (Nadine Golly, 2015)

Die über 50 beteiligten Autor*innen, Zeitzeug*innen und Porträtierten sind in unterschiedlichen Zusammenhängen mit der Bewegung verbunden. Sie schreiben über zwischenmenschliche Beziehungen, analysieren rassistische Strukturen im privaten und öffentlichen Raum, dokumentieren Stationen der Identitätsfindung und des Empowerments und machen die Verschränkung verschiedener Ausschlussmechanismen sichtbar. Es geht um Schwarze Menschen in der NS-Zeit, die Geschichte des Kolonialismus und seine Bedeutung für die Gegenwart - beispielsweise im Bildungs- und Rechtssystem. Um selbstbestärkende Interventionen von Eltern, Lehrenden, Kulturschaffenden oder Medienmacher*innen und alltägliche Geschichten Schwarzer Menschen in Deutschland. Verhandelt werden Themen wie Racial Profiling, die Rolle der Menschenrechte im Kampf gegen Rassismus und Refugee Activism. Auch bisher wenig sichtbare Dimensionen von Diskriminierung wie zum Beispiel Audismus (gegen gehörlose Menschen) werden in den Blick genommen. Mit dieser und mit der Frage was es heißt, Schwarz und Queer zu sein, werden im Buch intersektionale Perspektiven eröffnet.

Es sind Stimmen unterschiedlicher Generationen, deren Perspektiven sich im Band (wider-)spiegeln und Bilder einer vielfältigen Schwarzen Bewegung in Deutschland zeichnen. Die unter anderem deutlich machen, dass Räume, in denen Menschen Zuflucht vor alltäglicher Diskriminierung suchen auch riskante Räume sein können. Dass es auch dort um die Fragen nach Öffnung und Privilegien geht. „So wird Spiegelblicke zu einem Spiegel für uns, die Schwarze Bewegung und die Gesellschaft, in der wir leben“, beschreiben es die Herausgeberinnen im Vorwort des Buches.

“Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass unsere Gemeinschaft aus Menschen mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Lebenswelten besteht. Menschen, die reich sind oder arm, ohne Schulabschluss oder mit Hochschulbildung, sich als Deutsche identifizieren oder nicht, körperlich und geistig der gesellschaftlichen Norm entsprechen oder eben nicht, gegengeschlechtlich lieben oder gleichgeschlechtlich [...] sich innerhalb der Zweigeschlechtlichkeit identifizieren oder nicht. [...] Und eine unserer Aufgaben ist es, Räume für uns zu schaffen, in denen wir als vollständige Persönlichkeiten unseren Beitrag für die Schwarze Community in Deutschland leisten können.” (Tsepo Bollwinkel 2015)

Mit der Veröffentlichung liegt 30 Jahre nach Erscheinen des wegweisenden Buches „Farbe bekennen – afrodeutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ und drei Jahrzehnte nach dem allerersten organisierten Treffen Schwarzer Menschen in Deutschland ein Band vor, der Entwicklungen, Auseinandersetzungen und Standortbestimmungen der Bewegung über die Jahre bis heute aufzeigt. Mit dem Ziel: ein differenziertes, gut zugängliches und bleibendes Werk zu schaffen, das ein breites Publikum anspricht. Es soll ermutigen, inspirieren und neugierig machen.

Spiegelblicke - Perspektiven Schwarzer Bewegung in Deutschland

ISBN 978-3-944666-23-5

302 Seiten

19,50 Euro

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