Frankfurt a.M. 08.03.2018

Pressemitteilung zu  M*- Apotheken in Frankfurt

Der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland geht es in der in Frankfurt geführten Debatte nicht nur um ein Wort, sondern um ein Bild von Schwarzen Menschen. Was in kolonialen Zeiten gängige Denkart und mit entsprechenden Namen verbunden war, ist es heute nicht mehr. Eine Umbenennung würde ein Verständnis für eine gleichberechtigte Gesellschaft zeigen und denjenigen Stimme geben, die früher nicht gehört wurden.

„Die Zeiten ändern sich, ändern wir uns mit ihnen.“ Der Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in                             Deutschland (ISD-Bund e.V.) und die Lokalgruppe in Frankfurt unterstützen die Aussage und den Vorstoß von Virginia Wangare Greiner und ihre Kolleg*innen von der Kommunalen Ausländerinnen und                 Ausländervertretung in Frankfurt am Main (KAV).

Nach Vorsprachen im Ausschuss am 19. Februar, hässlichen Diskussion und einer heftigen medialen Debatte appelliert der seit über 30 Jahren bestehende Verein an das Verständnis der politischen Parteien im Stadtparlament Frankfurt. „Es ist Zeit anzuerkennen, dass Diskriminierung nicht ohne diejenigen, die diskriminiert darüber verhandelt und eine Verbesserung oder Abschaffung vorhandener Zustände diskutiert und abgestimmt werden kann“, sagt ISD-Vorstandsmitglied Siraad Wiedenroth. Es gehe dabei nicht um die Befindlichkeit einzelner, sondern einen geschichtlich geprägten und gesellschaftlich sozialisierten und verinnerlichten Rassismus, der sich maßgeblich in Sprachbildern festmachen lasse.

Bezeichnend ist, dass die Besitzer*innen der Apotheke in Frankfurt sich gesprächsbereit zeigen, sich jedoch CDU, FDP und AFD gegen eine konstruktive Diskussion wehren. Zumal eine der beiden Apotheken erst im Juli 2017 mit dem M-Wort im Namen eröffnet wurde. Er habe sich nichts dabei gedacht, weil das 1900 errichtete Haus das Wort auch auf seiner Fassade trage, erklärt Besitzer Schwartz. Als Symbol eines Dieners eines ehemaligen Hotels. Das Beispiel belegt damit bildlich den Rassismus in dieser Zeit. Ein veraltetes Menschenbild: Deutschland war mitten im Begriff der Kolonialexpansion – auch auf dem afrikanischen Kontinent. Der M* war zu jener Zeit nicht das Symbol für medizinische Errungenschaft, er wurde exotisiert und als Diener am Hof eingesetzt, war weißen Menschen unterstellt. Noch heute findet sich das Bild des „edlen M*“ in Form von Kerzenhaltern oder Regenschirmständern wieder. Es war stets abwertend gemeint.                         

„Es ist Zeit für ein Ende kolonialrassistische Traditionen. Um stereotype Bilder Schwarzer Menschen zu                brechen braucht es neue Bilder“, sagt ISD-Vorstandsmitglied Tahir Della. Den Antrag der KAV „Kein                           Rassismus im Stadtbild” in die Stadtverordnetenversammlung einzubringen sei ein wichtiger Schritt. Er stehe symbolisch für eine Gesellschaft, in der Vielfalt eine Stimme bekommt. So fordert die ISD die Gegner Parteien auf, sich nicht hinter dem Argument zu verstecken, dass das M-Wort Mediziner ehren würde.

Vor der Entscheidung am kommenden Montag im Ausschuss spricht sich die ISD erneut für die                               Namensänderungen der beiden Apotheken und rassismusfreie Firmenschilder aus und fordert

  1.      Dass die Stadt Frankfurt Verantwortung übernimmt und sich für den Antrag der KAV ausspricht.
  2.      Dass bei bestehenden Gebäuden mit Denkmalschutz sensibel mit dem kolonial-ideologisch geprägten    Erbe umgegangen und die Öffentlichkeit darüber informiert wird, bspw. mit einer aufzubringenden Tafel.
  3.     Dass die Stadt mit dieser Entscheidung eine kritische Auseinandersetzung über die kolonial-rassistische Vergangenheit und Gegenwart in Frankfurt (Deutschland) beginnt. In Frankfurt gibt es dazu mehrere Bildungsangebote, die bereits Schüler in diese Richtung weiterbilden.

 

           Ansprechpartner:

Siraad Wiedenroth (siraadwiedenroth@isd-bund.org) und  Tahir Della (tahirdella@isdonline.de)