Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) schließt sich der Solidaritätskampange für die

Journalistin Mely Kiyak an.

Die ISD verurteilt die rassistischen Kommentare und Aufrufe der Springer Presse und rechtsextremer

Internetforen, allen voran Politically Incorrect (PI) aufs Schärfste. Es gehört zum Alltag, dass Autoren, die gegen

Rechtspopulismus anschreiben, mit Hunderten Leserbriefen beleidigt, beschimpft und bedroht werden. Rechte

Internetblogs liefern kurz nach der Veröffentlichung eines Textes Vorlagen für diese Hassmails und Drohbriefe

und rufen in Foren und Kommentarseiten dazu auf, entsprechenden Journalisten die Meinung zu sagen. Die

Autorin Mely Kıyak kann ein Lied davon singen.

Bemerkenswert daran ist, wie egal den Hetzern die Meinungsfreiheit ist, die sie sonst für sich beanspruchen. Sie

sind es auch, die Kıyak nun an den digitalen Pranger stellen. Mit besonderer Sorge ist zu beobachten, dass sich

auch die Springer Presse anschließt und einseitig berichtet. So wurde Kiyak in der Welt gar ein

„Vernichtungswillen“ gegen Sarrazin unterstellt, ohne über die vielen Ausfälle gegen sie – oder Sarrazins

Rassismus – auch nur ein Wort zu verlieren. Das Beispiel zeigt, wie eng die Bande zwischen der rechten

Blogosphäre und dem Springer Verlag in solchen Fällen sind.

Bis heute hat sich niemand für die unzähligen rassistischen Beleidigungen entschuldigt, die unter dem

Deckmantel der Meinungsfreiheit ungestört verbreitet werden. Die Frage ist, wer in Wahrheit die schützende

Hand genießt? Kiyak tut es nicht.

Die Hetzer hetzen. Das macht Kiyak in ihren Texten nicht. Sie schreibt Kolumnen, mit dem Rasiermesser

geschrieben, frech, spitz, schmerzhaft konkret, böse direkt, untheoretisch. Und sie hat nicht gewusst, dass Sarrazin

vor einigen Jahren operiert wurde und seitdem an einer halbseitigen Gesichtslähmung leidet. Deshalb hat sich

Kiyak öffentlich für ihre Worte entschuldigt. Die Frankfurter Rundschau reagierte und nahm den Text von ihrer

Website. Aber das scheint nicht zu genügen. Es ist wohl einmalig, dass eine Solidaritätskampagne für eine

Journalistin gestartet werden muss, um sie zu unterstützen – gegen rechte Hetze. Die ISD steht hinter Kiyak, einer

Autorin, die als Sprachrohr derjenigen gilt, denen in der Mehrheit wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die

rassistische Erfahrung vieler Menschen in Deutschland in die Öffentlichkeit trägt.

ISD-Vorstand

Hadija Haruna, Jonas Berhe, Tahir Della, Sharon Otoo, Anne Chebu

pm_solidaritat_mely-kiyak.pdf