‚Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund e.V.) begrüßt die Entscheidung derGeschäftsführerin der Werkstatt der Kulturen Philippa Ebéné die Ausstellung „Die Dritte Welt imZweiten Weltkrieg“ nur in der mit AfricAvenir e.V. bereits im Mai abgesprochenen Formstattfinden zu lassen.

Unsere Initiative, die seit über 25 Jahren die Interessen Schwarzer Menschen vertritt, beobachtetmit wachsender Sorge die in der Medienlandschaft kursierenden diffamierenden Aussagen überFrau Ebéné und ihre angebliche Motivation, die Ausstellung „Die Dritte Welt im ZweitenWeltkrieg“ in der Werkstatt der Kulturen nicht stattfinden zu lassen.

Die Werkstatt der Kulturen hatte gemeinsam mit AfricAvenir e.V. eine Ausstellung und eineVeranstaltungsreihe geplant, die den meist verschwiegenen, zentralen Beitrag Schwarzer Menschen/People of Color zum Sieg über den Nationalsozialismus in Europa und den angrenzenden Regionenthematisieren sollte.Bereits der Titel der nun kontrovers diskutierten Ausstellung macht jedoch deutlich, dass bei derenInhalten mit Stigmatisierungen und Diskriminierungen zu rechnen ist.

So ist nicht etwa vonLändern und deren Bevölkerungen außerhalb Europas die Rede, sondern von der „Dritten Welt“.Dieses simplifizierende Labeling von People of Colour aus den USA, Australien, Neuseeland,Afrika, Europa, Südamerika und Asien als „Drittweltländler“ weist auf einen unzulässigen Wunschnach Homogenisierung nichtweißer Menschen hin, der in einer unguten rassentheoretischenTradition steht und macht so die problematische Perspektive des Ausstellungs-Kurators erkennbar.

Die mediale und politische Kontroverse, die durch Philippa Ebénés konsequente und couragierteEntscheidung ausgelöst wurde, macht deutlich, dass anstelle einer sachlichen Debatte versucht wird,eine polemische und allzu simple, generalisierende Verbindung zwischen Muslimen und dennationalsozialistischen Verbrechen zu konstruieren.

Wie unter den oben genannten Voraussetzungen People of Colour, die bisher in derGeschichtsschreibung des Zweiten Weltkriegs ignoriert werden, in ihrer Rolle als BefreierInnengeehrt werden sollen, bleibt unklar.

Wir bedauern und kritisieren, dass es auch im Jahre 2009 offensichtlich noch immer nicht möglichist, den Beitrag Schwarzer Menschen / People of Color zur Befreiung Deutschlands vomNationalsozialismus in würdiger Weise zu gedenken.   

Hier wird tradiert, was in der europäischenGeschichtsschreibung Usus ist: Die Einteilung nichtweißer Menschen in „edle Wilde, böse Wilde“.Frau Ebéné hat diese simplifizierende Analyse, die in dieser Form gerade nicht auf die europäischeGemengelage von Kollaboration und Widerstand angewandt wird, zu Recht kritisiert.

DieGeschäftsführerin der Werkstatt der Kulturen, als anti-semitisch zu bezeichnen entbehrt jederGrundlage. Noch letztes Jahr weigerte sie sich trotz massiver Anfeindungen zur Eröffnung derarabischen Kulturwochen einen jüdischen Sprecher aus dem Irak wegen seiner jüdischen Herkunftwieder auszuladen.Eine Hommage für Schwarze Veteranen des 2. Weltkrieges ist von erheblicher Bedeutung für vieleMenschen in Deutschland.

Nicht zuletzt auch für Menschen der afrikanischen Diaspora und weiterePeople of Color, die in der deutschen Geschichtsschreibung in aller Regel marginalisiert werden. Inder von Rössel und AfricAvenir e.V. gewünschten Form ist eine solche Hommage jedoch ganzoffensichtlich nicht möglich.Aus diesem Grund traf Frau Ebéné die Entscheidung, die Ausstellung nicht zu unterstützen. Hierhandelt es sich nicht um Zensur, sondern eine klare Meinungsäußerung über die Notwendigkeit,Auswirkungen und Intentionen von Kulturveranstaltungen, insbesondere in einer multikulturellenStadt wie Berlin, umfassend zu überprüfen.

Philippa Ebéné hat als Geschäftsführerin von ihrem Recht Gebrauch gemacht, die gleichenStandards einzufordern, wie bei vergleichbaren Würdigungen des Widerstandes gegen denNationalsozialismus. Hier gilt bekanntlich, dass Menschen die das NS-Regime bekämpften nicht imgleichen Atemzug mit KollaborateurInnen genannt werden.

Die weltweite Kollaboration mit demNS-Regime sollte thematisiert werden – allerdings in einem angemessenen Rahmen. In diesemZusammenhang von Zensur zu sprechen ist deshalb ebenso empörend wie falsch.

Wir fordern daher anstelle einer Darstellung aller People of Colour als „Dritte-Welt-Länder“ einlängst überfälliges „Danke Schön“ an alle Schwarzen Menschen und People of Color die alsSoldatInnen und WiderstandskämpferInnen im Kampf gegen den Nationalsozialismus ihren Beitragleisteten!

Jonas Berhe – Vorstand ISD Bund e.V.

Yonis Ayeh – Vorstand ISD Bund e.V

Tahir Della – Vorstand ISD Bund e.V.

Ekpenyong Ani – Vorstand ADEFRA – Schwarze Frauen in Deutschland

http://blog.derbraunemob.info/wp-content/uploads/2009/08/ISD_Stellungnahme_WdK.pdf

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