STOPP DER AUSSTRAHLUNG VON „REALITY QUEENS AUF SAFARI“ (PRO7)

offener Brief

Sehr geehrter Herr Ebeling,

im Namen des Tanzania-Network.de e.V. und einer Gruppe von NGOs fordere ich Sie zum sofortigen Stopp der Ausstrahlung der Sendung „Reality Queens auf Safari“ (Pro7) auf.

Das Format der Sendung verstärkt allgemeinverbreitete Stereotype gegenüber dem ostafrikanischen Land Tansania, schürt gängige Vorurteile und stellt die Menschen des Landes in einer rassistischen und diskriminierenden Form dar. Das in der Sendung erzeugte Bild von Tansania und seinen Menschen ist einfältig, beleidigend und teilweise menschenunwürdig. Die Ausstrahlung der Sendung in der deutschen Medienlandschaft ist daher inakzeptabel.

Bereits im Vorspann der Sendung wird Tansania als ein kleines Land dargestellt, in dem „Afrika noch mehr als eine Showkulisse“ ist, „die Tiere richtig wild“ und „die Naturvölker richtig echt“ sind. Dies entspricht – bei einer Größe des 2,5-fachen der Bundesrepublik, gut 45 Mio. Einwohnern, Tansanias kultureller Vielfalt und mit 130 unterschiedlichen Ethnien und Sprachen – nicht annähernd der Realität. Dass ein professionell operierendes Unternehmen mit derart medialem Einfluss wie Pro7 auf solch ein unreflektiertes Afrikabild zurückgreifen muss, ist erschreckend.

Einige Aussagen der Kandidatinnen in der Sendung vom 22.8.2013 lassen sich hingegen nicht mehr mit mangelnden Kenntnissen oder mit einem (inszeniert) niedrigen Bildungsniveau und Intellekt derer selbst entschuldigen, sondern überschreiten eindeutig eine Grenze zur Erniedrigung. In Verbindung mit Kameraeinstellungen und Schnitten wird hier eine Entwürdigung von Menschen vorgenommen, die als Außenstehende nicht Teil der Sendung sind und Stellung nehmen können. Als Beispiel sei hier die Aussage einer Kandidatin genannt, die darauf verweist, dass die tansanischen Männer bei ihrer Ankunft (der Kandidatinnen) am Flughafen einen Samensturz gehabt hätten. Im anschließenden Schnitt werden kopulierende Affen eingeblendet. Neben einer pervertierten Beleidigung der hier gemeinten tansanischen Männer durch die Kandidatin, lässt der damit verbundene Schnitt den subtilen Vergleich zwischen Tansaniern und Affen zu, das ist ungeheuerlicher Rassismus kolonialer Prägung

Leider ist an ihrem Unternehmen die inzwischen zunehmend diversifizierte und reflektierte Auseinandersetzung der Medien mit dem afrikanischen Kontinent vorübergegangen, genauso wie die Arbeit staatlicher und nicht-staatlicher Institutionen zur Überwindung von Stereotypen, Diskriminierung und Rassismus, an der auch unser Verein seit über zehn Jahren aktiv beteiligt ist. Die Berücksichtigung anti-rassistischer und nicht diskriminierender Diskurse als Grundlage Ihrer Arbeit entspricht anscheinend nicht Ihrer Unternehmens-philosophie. Aus Gründen der Vermarktung teilweise Unbeteiligte einer solchen Diskriminierung auszusetzen, hat jedoch weniger mit Philosophie als viel mehr mit der Missachtung der Würde des Menschen zu tun.

Das Land Tansania zeichnet sich seit seiner Unabhängigkeit durch politische Stabilität und Frieden in der Region Ostafrika aus. Trotz seiner ethnischen Heterogenität beschreitet es seit über 20 Jahren einen erfolgreichen und friedlichen Weg der Demokratisierung, gilt als Musterland für das Zusammenleben von Christen und Muslimen und wird dafür international geschätzt und anerkannt. Dieses Land auf seine beeindruckende Landschaften und vielfältige Flora und Fauna zu reduzieren und in Bezug auf seine Menschen nur altbekannte kolonial rassistische Stereotype zu bedienen, trägt diesen Tatsachen in keiner Weise Rechnung.

Daher fordern wir Sie auf die Ausstrahlung der Sendung „Reality Queens auf Safari“ mit sofortiger Wirkung zu stoppen. 

In Erwartung einer positiven Reaktion Ihrerseits, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Sönke Wanzek

1. Vorsitzender ,Tanzania-Network.de e.V.

Unterzeichnerorganisationen

Tanzania-Network.de e.V.

Africavenir International e.V.

Afrotak TV cyberNomads 

Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) e.V. 

Arbeitskreis Hamburg Postkolonial 

Arbeitskreis Panafrikanismus e.V. 

Arbeitskreis Städtepartnerschaft München-Harare (HaMuPa) 

Arbeitsstelle Eine Welt in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens 

Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER) 

Berlin Postkolonial e.V. 

Deutsch-Tansanische Freundschaftsgesellschaft e.V. 

Deutsch-Tansanische Partnerschaft e.V. 

Deutsch-Afrikanisches Zentrum e.V. 

Education is the key of life

Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V.

Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachen e.V.

e.p.a.- european playwork association e.V.

glokal e.V.

INISA e.V.

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.

INKOTA-netzwerk e.V.

Le Chantier – Afrikawerkstatt

Leipziger Missionswerk

Manager für Menschen

MissionarInnen auf Zeit e.V.

Mission EineWelt, Centrum für Partnerschaft Entwicklung und Mission der ev.-luth. Kirche in Bayern

München Postkolonial

Mwanga High School – Hilfe e.V.

Partnerschaft des Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein, Gruppe Altona – Dodoma

Stiftung Nord-Süd Brücken

Tansania-Kreis Martineum Halberstadt

UTU e.V.

UWATAB e.V.

Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen e.V. (VEN)

 

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1 Kommentar

  1. Ich fordere Watchdog Body wie in UK – Die Medien haben einen Ethikcode zu befolgen, Medien in der Demokratie haben Menschen nicht menschenunwürdig zu zeigen. Das Format bedient sich des bildwissenschaftlichen Stilmittels der Parallelisierung – Menschen werden mit Tieren parallelisiert. Ich fordere Verklagung von Pro7, Absetzung des Formats und Strafgebühr für den Kanal.
    Die Antidiskrimienierungsstelle des Bundes bietet lediglich Beratung und „Vorfall zu Kenntnis bringen. Wo kann man klagen als Privatmensch? Es gibt hier einfach keine Möglichkeit, man ist so machtlos – das darf nicht sein. Man kann sie soetwas nicht immer wieder gefallen lassen…Grade sagte Maria Böhmer auf Forderung nach Bundesbeauftragten gegen Rassismus, dass die Antidiskriminierungsstelle reiche, und dass es ja die Verantwortung der Gesellschaft sei…es ist auch Verantwortung der Medien, die immer wieder kläglich versagen, wie in diesem Beispiel.

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