ISD-Köln: Umbenennung der Gregorius-Maurus-Straße

Zeichen gegen koloniale Kontinuitäten

Ein Beitrag von Joahha Peprah
Sprecherin und Beirätin des ISD-Bund e.V.

www.joannapeprah.de

Am 21. November 2025 fand in der Kölner Innenstadt eine öffentliche Veranstaltung anlässlich der Umbenennung der ehemaligen „M-Straße“ in Gregorius-Maurus- Straße statt. Mit dieser Entscheidung setzt die Stadt Köln ein deutliches Zeichen gegen kolonial belastete Begriffe im öffentlichen Raum und unterstreicht ihren Anspruch, sich kritisch mit dem eigenen (post)kolonialen Erbe auseinanderzusetzen. Köln folgt damit dem Vorbild Berlins.

Der Umbenennungsprozess dauerte insgesamt fünf Jahre und ist das Ergebnis der kontinuierlichen und unermüdlichen Arbeit verschiedener Schwarzer Communities, politischer Allies sowie des Expert*innengremiums (Post)koloniales Erbe Kölns. Die Umbenennung steht exemplarisch für einen längeren politischen und gesellschaftlichen Aushandlungsprozess, der sich mit kolonialen Kontinuitäten im Stadtbild auseinandersetzt.

Der neue Straßenname erinnert an Gregorius Maurus, einen in Köln stationierten Offizier der Thebäischen Legion im 3./4. Jahrhundert, einen Schwarzen Mann und katholischen Heiligen. Die Benennung versteht sich zugleich als Akt der würdigen Sichtbarmachung Schwarzer christlicher Überlieferung und Schwarzer Präsenz in Köln, die lange Zeit marginalisiert oder unsichtbar gemacht wurde.

Die ehemalige M-Straße liegt in einem stark katholisch geprägten Viertel der Stadt Köln. Die frühere Bezeichnung der Straße entstand im Jahr 1845 und sollte angeblich den Heiligen Gregorius Maurus ehren, dessen Reliquienbüste sich im Gereonsviertel befindet. Die rassistische Fremdbezeichnung verweist jedoch deutlich auf den historischen Kontext ihrer Entstehung. Zu dieser Zeit war Europa bereits tief im Kolonialismus verankert. Auch wenn Deutschland noch keine formalen Kolonien besaß, waren rassistische Hierarchien, die Entmenschlichung Schwarzer Menschen und koloniale Denkweisen längst Teil gesellschaftlicher Normalität. Diese fanden ihren Ausdruck nicht zuletzt in Sprache, Symbolik und im Stadtbild.

Zum Auftakt der Veranstaltung wurde das frühere Straßenschild symbolisch abgenommen und dem Stadtmuseum übergeben. Anschließend kamen Besucher*innen im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln zu einer Informations- und Austauschveranstaltung zusammen. In Redebeiträgen, Musik und Gesprächen wurde thematisiert, warum die Umbenennung kolonial belasteter Straßennamen notwendig ist und welche Bedeutung solche Schritte für ein respektvolles, vielfältiges und inklusives Stadtbild haben.

Die Veranstaltung war eine Kooperation des ISD Köln (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. Ortsgruppe Köln) mit dem NS- Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Sie setzte bewusst ein Zeichen
der Anerkennung, Stärkung und Sichtbarkeit Schwarzer Communities in Köln.

Zu den Beitragenden gehörten unter anderem:

Joanna Peprah, ISD Köln (Organisation und Koordination der ISD-Ortsgruppe Köln, Regionssprecherin)

Austen P. Brandt, Mitglied der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) / Gründer von Phoenix e. V.

Sarah Tsehaye, Sängerin & Songwriterin aus Köln

 Julie Cazier, Bezirksbürgermeisterin Köln-Innenstadt

Alicem Polat, stellvertretender Bezirksbürgermeister Köln-Innenstadt

Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst, Afrikanistin, Historikerin und Kulturwissenschaftlerin

Dominik Meiering, Pfarrer und Domkapitular der St. Gereon-Kirche

Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Umbenennung der Gregorius-Maurus- Straße kein rein symbolischer Akt ist. Vielmehr ist sie Teil eines fortlaufenden Prozesses, in dem sich Köln zunehmend mit seiner Geschichte auseinandersetzt und Vielfalt als selbstverständlichen Bestandteil der städtischen Identität anerkennen möchte.

Artikel von Joanna Peprah

www.joannapeprah.de

Sprecherin und Beirätin der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland e.V.s

Instagram / Facebook: @isdkoeln

Mitgründerin der Initiative N-Wort stoppen

www.nwortstoppen.de

Weiteres:

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