Über uns

„Ohne Kampf gibt es keinen Fortschritt. Die, welche behaupten, für die Freiheit zu sein, Agitation aber ablehnen, sind Menschen, die ernten wollenohne den Grund umzupflügen. Sie wollen Regen ohne Blitz und Donner. Sie wollen den Ozean ohne das grässliche Tosen seiner Wassermassen. Der Kampf mag ein moralischer sein; oder er mag physisch sein; oder er mag moralisch und physisch sein, aber ein Kampf muss stattfinden.“ 

Frederick Douglass, ehemals versklavter Mensch und Abolitionist, 1857

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, die 1985 als Initiative Schwarze Deutsche gegründet wurde, ist inzwischen die älteste Selbstorganisation von und für Schwarze Menschen in Deutschland. 

Der Gründung der ISD ging das Buch „Farbe bekennen“ voraus, das als erste Publikation Schwarzer Menschen der Gegenwart gilt und den Grundstein für die jüngere Schwarze Bewegung legte. 

Wenn wir heute von der jüngeren Schwarzen Bewegung sprechen, dann deswegen, weil es schon lange vor den heute existierenden Initiativen, gesellschaftlich relevante Aktivitäten Schwarzer Menschen in Deutschland gab. So schlossen sich beispielsweise in den 1920er Jahren Schwarze Arbeiter:innen, Gewerkschafter:innen, Künstler:innen und Kolonialmigrant:innen zusammen, um für ihre Rechte und Lebensentwürfe einzutreten. 

Die Beiträge in „Farbe bekennen“ legten den Grundstein für die  politische Arbeit der ISD und prägen sie in Teilen bis heute. So besprechen die Buchbeiträge von May Ayim und Katharina Oguntoye erstmalig  die deutsche Kolonialgeschichte aus der Perspektive Schwarzer Menschen und stellen so  deren Wirksamkeit, auf globaler und lokaler Ebene, dar. 

Die ISD vertritt die Interessen von Schwarzen Menschen in Gesellschaft und Politik und will auf die Gesetzgebung Einfluss nehmen. Die Themen Alltagsrassismus, rassistische Gewalt und Polizeigewalt sind zentrale Schwerpunkte der Arbeit. Schwarzer Widerstand ist für uns in erster Linie ein Kampf um die Wahrnehmung dieser Perspektiven. 

Das Ziel ist die Förderung der politischen Partizipation Schwarzer Menschen und die Verbesserung ihrer Lebenssituation in Deutschland. Wir fordern eine antirassistische Haltung in allen Bereichen der Politik (Bildung, Aufenthalt, Staatsbürgerschaft, Asylgesetzgebung) und dass die Realität unterschiedlicher und ineinandergreifender Formen von Diskriminierungen anerkannt wird. In dem Bewusstsein, dass kollektive, politische Arbeit unerlässlich ist, organisiert die ISD Vernetzung von Schwarzen und migrantischen Communities. Wir schließen damit an die Kämpfe im 20. Jahrhundert an, die  Kolonialmigrant:innen und Antifaschist:innen gegen Ausbeutung, Diskriminierung und Verfolgung geführt haben. In diesem Sinne solidarisiert sich die ISD mit geflüchteten Menschen, um auch hier deutlich zu machen, dass Flucht und Migration eine unmittelbare Folge des europäischen Kolonialismus sind. 

Die ISD achtet und thematisiert die unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründe Schwarzer Menschen und macht dabei gleichzeitig die Möglichkeiten solidarischen und  gemeinschaftlichen Handelns deutlich und erfahrbar. Die Initiative lädt dazu ein, individuelle und kollektive Erfahrungen als eine Ressource für politische Reflektion und gesellschaftliches Engagement zu nutzen. Wir organisieren Zusammenkünfte wie das jährliche Bundes- und regelmäßige Vernetzungstreffen und realisieren Veranstaltungen wie den Black History Month, die Homestory-Deutschland Ausstellung oder das Europäische Netzwerktreffen für People of African Descent & Black Europeans. 

Die ISD versteht sich dabei nicht als alleinige Vertreterin Schwarzer Menschen in Deutschland, sondern vielmehr als Teil der Schwarzen Community mit all seinen NGO‘s, Initiativen, Verbänden und Projekten. 

Geschichte

von Eleonore Wiedenroth-Coulibaly & Hadija Haruna-Oelker 

Historisches Gruppenfoto der ISD

Die ersten Ortsgruppen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) entstanden nach einem ersten bundesweiten Treffen in Wiesbaden 1985 im Rhein-Main-Gebiet (Frankfurt am Main, Wiesbaden und Mainz), Berlin, München und in Nordrhein-Westfalen. Seit diesen Anfängen versteht sie sich als Selbstorganisation von Schwarzen Menschen, für sie und mit ihnen. Bundesweit ging die Arbeit des Vereins immer von regionalen und lokal organisierten Gruppen aus. Bis heute arbeiten diese basisdemokratisch und sind an den Dachverband ISD Bund e.V. angegliedert, der 2001 gegründet wurde.  

Über die Jahre gab es immer wieder viel Bewegung in den Ortsgruppen. Neue kamen hinzu, andere beendeten ihre Arbeit oder nahmen sie wieder auf, aber ihr Engagement blieb ähnlich. So werden auch in den heute aktiven Ortsgruppen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen eine Bandbreite an Projekten organisiert. Dazu zählen Kooperationsveranstaltungen mit anderen ortsansässigen Initiativen und Vereinen, Arbeit in Jugendgruppen, politische Bildungsarbeit, Empowerment Trainings und Vernetzungstreffen für Schwarze Menschen innerhalb des Vereins. Alljährlich bündeln sich viele Veranstaltungen im Februar anlässlich des Black History Month (BHM) nach US-amerikanischem Vorbild, in dem das Wirken Schwarzer Menschen hierzulande sichtbar gemacht und öffentlich gefeiert wird. Auf der Bundesebene koordiniert ISD-Bund überregionale Veranstaltungen, Kampagnen und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Darüber hinaus hat sich mit dem Entstehen der ISD vor über 35 Jahren ein weiterer Höhepunkt im Jahr etabliert: das traditionelle Bundestreffen, bei dem viele hunderte Schwarze Menschen aller Generationen zusammenkommen, diskutieren, Freizeit gestalten, Pläne schmieden und – sich feiern. Hier zeigt sich eindeutig, dass ISD vor allem Empowerment für Schwarze Menschen bedeutet.    

Seit ihrem Bestehen stärkt die Initiative die Meinungsbildung unter Schwarzen Menschen in Deutschland und tritt mit Kampagnen, Aktionen und Presseerklärungen immer wieder an die Öffentlichkeit, um inhaltliche Kritik an gesellschaftlichen Missständen und (Anti-Schwarzem) Rassismus zu artikulieren, eingebettet in ein Verständnis von  Intersektionalität, das Mehrfachdiskriminierungen wie Geschlecht, Klasse, Behinderung, sexuelle Orientierung oder religiöse Zugehörigkeit im Blick hat, die auch in der Community eine Rolle spielen.  

2011 initiierte die ISD die laufende Kampagne „Stop Racial Profiling„, die zum Ziel hat, über diskriminierende und rassistisch motivierte Polizeipraxen aufzuklären und den Gleichheitsanspruch aus Art 3, Satz (3) GG einfordert. Immer wieder stellte der Verein auch rassistische Kulturproduktionen (Blackfacing) oder die deutsche Sprache auf den Prüfstein, prangert den Gebrauch diskriminierender Begriffe im Alltag oder in (Kinder)Büchern an. Die ISD erarbeitete und vermittelt diskriminierungsfreie Alternativen und Selbstbezeichnungen wie Schwarz & Afrodeutsch und positioniert sich seit Jahren in der Debatte um den „Rasse“-Begriff, weil im Deutschen ein Wort für das englische „race“ fehlt. Dieses Thema wurde 2020 von Politik und Medien mit der Debatte um eine entsprechende Änderung im Grundgesetz (Art 3 GG) in den Fokus gerückt.  

Die ISD ist verankert im Kampf gegen (post)koloniale Kontinuitäten und unterstützt die UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft (2015-2024). Sie war mit involviert und/oder Initiatorin von lokalen und regionalen Townhall Meetings und selbstorganisierten Konferenzen in Berlin, Frankfurt und Köln. Aktuell wünscht sie sich mehr Einsatz seitens der Bundesregierung, die auf der UN-Ebene diese Dekade zwar mit auf den Weg gebracht hat, bisher aber auffallend zurückhaltend in der nationalen Umsetzung geblieben ist.  

Mit Beispielen dieser Art versteht sich die ISD immer wieder auch als Initiatorin, Brückenbauerin und Bewegungskatalysator innerhalb der Schwarzen Bewegung. Aus Kontexten der ISD heraus haben sich über die Jahre hinweg neue Strukturen, Vereine, Ideen und Projekte gespeist, sind unabhängig geworden oder im Bündnis gewachsen. Die ISD versteht sich deshalb als eine Art Plattform, als Einstiegsort und Ort der Ruhe für die Einen, für Andere ist sie ein  Ort der Repräsentation und des Formulierens Schwarzer Positionen und dies in Vernetzung mit anderen Aktiven.  

Black Lives Matter Kundgebung in Köln
Black Lives Matter Kundgebung in Köln

Gesellschaftskritik und Kultur gehen für die ISD oft eine Fusion ein, so dass immer wieder auch verschiedenste Kunstformen wie Theater, Musik, Skulptur, Malerei, Dicht- und Wortkunst dem Ausdruck unserer Realitäten dienen. Stärkung der eigenen Positionierungen, Erlebnisse, Erfahrungswelten geschieht auch, indem Schwarze Menschen selbst die Narrative setzen und ihren Geschichten Raum geben, in Begegnungen, Veranstaltungen und in Veröffentlichungen. Als erste bahnbrechende und selbstbestimmte Publikation gilt das Buch „Farbe bekennen“, 1986 herausgegeben unter anderem von Katharina Oguntoye und May Ayim, beide Mitbegründerinnen der ISD und Mitstreiter*innen der jüngeren Schwarzen Bewegung in Deutschland. Seither sind insbesondere in den vergangenen sechs Jahren viele Publikationen zu Geschichte/n, Perspektiven, Literatur von Schwarzen Menschen auf dem deutschen Buchmarkt erschienen. Anlässlich des 30jährigen Bestehens der ISD veröffentlichte ein Team von sechs Herausgeberinnen den Sammelband „Spiegelblicke. Perspektiven Schwarzer Bewegung in Deutschland“. Hierin verdichten über 50 Autor*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen über Generationen hinweg und mit den verschiedensten Erfahrungshintergründen ihre große Bandbreite an Themen und Ausdrucksweisen zu einer Zusammenschau und Momentaufnahme Schwarzer Bewegung(en) im Deutschland bis zum Jahr 2015. Eine Geschichte, die sich im Heute weitererzählt und sich stetig verändert, denn die Emanzipationsbewegung(en) Schwarzer Menschen schreiben sich fort und ein in  gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge – auch in Deutschland. So wird die ISD auch in Zukunft in dieser dynamischer werdenden gesellschaftskritischen und de-kolonialen Bewegung, die wir gerade beobachten können, ihre Rolle spielen. Ihr Wunsch ist es, auch weiterhin Engagement, Kraft und Stärke Schwarzer Menschen zu bündeln und auszustrahlen.  

Empfehlungen für weiterführende Lektüre

Team

Vorstand

Bafta Sarbo

ist Sozialwissenschaftlerin. Sie arbeitet und publiziert zum Verhältnis von Rassismus und Kapitalismus. Schwerpunktmäßig koordiniert und organisiert sie Kampagnen zu Rassismus und Polizei.   

baftasarbo@isd-bund.org

Vorstand

Konrad Erben 

ist Sozialarbeiter und Kriminologe. Als Wissenschaftler setzt er sich mit der Rolle von rassistischer Diskriminierung und sozio-ökonomischer Ausgrenzung im Komplex Kriminalität auseinander. Als Aktivist liegt sein Schwerpunkt auf rassismuskritischer Bildungsarbeit und politischer Vernetzung. 

konraderben@isd-bund.org 

Vorstand

Winnie Akeri

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Tahir Della

Seit 1986 Aktivist der ISD und fester Bestandteil der jüngeren Schwarzen Bewegung in Deutschland. Seit Gründung des bundesweiten ISD Verbandes 2001 war er bis 2019 im Vorstand eingebunden und an der Koordinierung der bundesweiten sowie lokalen Aktivitäten beteiligt. Seit Januar 2016 besetzt er die Promotorenstelle für Dekolonisierung und Antirassismus, die von ISD betreut wird.

Geschäftsführung

Siraad Rosina Wiedenroth

ist in Wiesbaden und Frankfurt aufgewachsen. Abgeschlossenes Studium der Wirtschaftswissenschaften in Mainz (Bachelor) und Unternehmensführung in Gießen (Master). Tief verbunden mit der Schwarzen Bewegung in Deutschland. Geschäftsführung bei der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, zuständig für Projektmittelverwaltung und Mitarbeiter*innenführung. 

siraadwiedenroth@isd-bund.org

Finanzen & Mitgliederverwaltung

Adel Oworu 

Adel Oworu ist in Eisenhüttenstadt aufgewachsen und hat Papiertechnik in Dresden studiert. Seit 1990 ist sie in der ISD Berlin aktiv und war Mitorganisatorin des Black History Month. Adel ist Mutter eines Sohnes und betreut in der ISD die Bereiche Finanzen und Verwaltung.

Office Organisation

Feline Schleenvoigt 

Feline Schleenvoigt ist schon seit vielen Jahren in der Isd aktiv. Seit 2021 unterstützt sie die Isd nun auch in der Administration und Verwaltung. 
Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Projektkonzeption

Simone Dede Ayivi

lebt in Berlin. Sie ist Diplom-Kulturwissenschaftlerin, Autorin und macht Theater aus Schwarzer feministischer Perspektive. Für die ISD entwickelt sie Projekte und Kampagnen. 

simoneayivi@isdonline.de 

Gesamtkoordination dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt

Anna Yeboah

Anna Yeboahs (* 1990) Forschungsinteresse gilt Machtstrukturen in Architektur und Stadtplanung mit Schwerpunkt dekoloniale Raumstrategien. Sie studierte Architektur mit Schwerpunkt Kulturtheorie an der TU München und der UPC Barcelona. Anna Yeboah ist als Dozentin am Lehrstuhl für Kunst- und Kulturwissenschaften der UdK Berlin tätig. Für die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland übernimmt Anna Yeboah die Gesamtkoordination des fünfjährigen Modellprojekts Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt. 


anna.yeboah@dekoloniale.de

Transparenz

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ist Teil der Aktion Transparente Zivilgesellschaft .

1. Name, Sitz, Anschrift und Gründungsjahr

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund) e.V.
Rohlederstraße 8, 60435 Frankfurt
Gründungsjahr 1985, Eintragung als Verein im Jahr 1999

2. Vollständige Satzung sowie Angaben zu den Organisationszielen

Die Satzung finden Sie hier.

3. Angaben zur Steuerbegünstigung

Unsere Arbeit ist wegen die Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens nach dem letzten uns zugegangenen Freistellungsbescheid des Finanzamts, Frankfurt III (Steuernummer 45/255/65758) vom 30.01.2020 (Veranlagungszeitraum 2016 bis 2018) nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 des Körperschaftsteuergesetzes von der Körperschaftssteuer und nach § 3 Nr. 6 des Gewerbesteuergesetzes von der Gewerbesteuer befreit.

4. Name und Funktion wesentlicher Entscheidungsträger

Zur Zeit hat die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland einen Vorstand, der aus drei Personen besteht.

Winnie Akeri
Konrad Erben
Bafta Sarbo

5. Tätigkeitsbericht

Zum Jahresbericht 2019.

6. Personalstruktur

Bei der ISD waren 2019 vier Personen hauptamtlich angestellt.

7. Angaben zur Mittelherkunft

Unsere Mittel setzen sich zusammen aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Fördermittel (für Fördermittel siehe Punkt 9).

8. Angaben zur Mittelverwendung

Zum Jahresbericht 2019

9. Gesellschaftsrechtliche Verbundenheit mit Dritten

Die Initative Schwarze Menschen in Deutschland hat keine rechtliche Verbundenheit mit Dritten.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ist Mitgliedsorganisation bei „Neue deutsche Organisationen. Das postmigrantische Netzwerk“, beim „European Network Against Racism“ und beim „Deutsches Institut für Menschenrechte“.

10. Namen von Personen, deren jährliche Zahlungen mehr als 10 % des Gesamtjahresbudgets ausmachen.

Im Jahr 2019 hat die Initiative Förderung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und von der Stiftung Nord-Süd Brücken (in Zusammenschluss mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit) erhalten.