Unter Ausschluss der Herkunftsgesellschaften hat die Kulturministerkonferenz über die Bewertung der Kolonialgeschichte sowie über das weitere Schicksal von zehntausenden Objekten, menschlichen Gebeinen und anderen Körperteilen Kolonisierter in Deutschland verhandelt. Das Ergebnis? Der Kolonialismus war kein Unrechtssystem, Rückgabeverpflichtungen gäbe es nicht.

Am 13.3.2019 hat in Berlin die Kulturministerkonferenz von Bund, Ländern und Kommunen stattgefunden. Dabei wurde erstmals auch über den weiteren „Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ beraten. Ungeachtet der allseitigen Rede von „Partnern in einem neuen Geist der Partnerschaft“ (Monika Grütters) blieben die Nachfahren der Kolonisierenden dabei erneut unter sich: Mitglieder der Herkunftsgesellschaften und Nachkommen der Opfer des Kolonialismus wurden zu dem Treffen nicht eingeladen.

Das Ergebnis der Diskussion zum Kolonialismus ist entsprechend. Bund, Länder und Kommunen geben zu, dass im Kolonialismus Unrecht geschehen sei, lehnen es aber ab, ihn so wie die „NS-Terrorherrschaft“ oder die „SED-Diktatur“ (Koalitionsvertrag, 168) als ein Unrechtssystem anzuerkennen. Man will nun zwar Gebeine und Körperteile Kolonisierter, die zu Tausenden für rassistische Forschungen nach Deutschland verschleppt wurden, zurückgeben, aber ein rechtlicher Anspruch auf Restitutionen soll den Nachkommen nicht eingeräumt werden.

Das Gleiche gilt für die Kulturschätze der Kolonisierten – darunter zahlreiche Königsthrone, Zepter, Sakralfiguren, Ritualtrommeln – die in den Depots deutscher (und europäischer) Sammlungen liegen. Hier wollen die Museen nun jeden Fall genau prüfen, um dann selbst darüber zu entscheiden, welches Objekt zurückgegeben werden soll und welches nicht. 

Der in Berlin lebende Tansanier Mnyaka Sururu Mboro, Sprecher von Berlin Postkolonial, sagt: “Solange wir zusahen, wie weiße Wissenschaftler an den Gebeinen unserer Ahnen forschten, solange haben sie das getan. Solange wir schweigen, wenn sie unsere Heiligtümer in ihren Museen ausstellen, werden sie dies tun. Und solange wir nicht selbst für uns sprechen dürfen, werden sie leugnen, dass der Kolonialismus ein Verbrechen war.“

Kontakt: 01799 100 976, buero(at)berlin-postkolonial.de

Eckpunkte der Kultur-MK: https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/eckpunkte-zum-umgang-mit-sammlungsgut-aus-kolonialen-kontexten.html

Erklärung der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus 2001 zum Kolonialismus:http://www.hamburg-postkolonial.de/durban.html