Pressemitteilung – Bundesweiter Protest gegen die Berliner M-Straße

Zahlreiche Vereine und Verbände der Black Community Deutschlands und Berlins entwicklungspolitische Organisationen fordern den Bezirk Berlin-Mitte zur Umbenennung der diskriminierenden „Mohrenstraße“ auf. Geehrt werden soll stattdessen eine bedeutende afrikanische oder Schwarze Persönlichkeit

Auf Einladung der AG Geschichte der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin Mitte haben sich die Vertreterinnen und Vertreter des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland mit mehr als 50 regionalen Mitgliedsverbänden und –vereinen, der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland sowie von mehr als 100 entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen aus Berlin für eine zeitnahe Umbenennung der Berliner „Mohrenstraße“ ausgesprochen. 

Auf der von zahlreichen Interessierten besuchten Veranstaltung am 29.1.2015 im Bezirksamt von Berlin-Mitte schlugen sie stattdessen die zukünftige Ehrung einer afrikanischen oder Schwarzen Persönlichkeit mit Bezug zur Geschichte der Region vor. Zudem regten die Organisationen eine Infostele an, die den historischen Kontext des alten des Straßennamens und die Gründe für seine Änderung erklärt.

Der schon seit Jahren in der Kritik Schwarzer Menschen stehende Straßenname geht auf die Zeit des brandenburgisch-preußischen Kolonialismus (1683-1717) und der Verschleppung von fast 20.000 afrikanischen Versklavten durch die Brandenburgisch-Afrikanische-Kompagnie zurück. Die zu Beginn des 18. Jahrhunderts angelegte Straße wurde nach den ersten Schwarzen Berlinern - den oft als Minderjährige aus Westafrika entführten Dienern und Musikern am Hofe Friedrichs I. (reg. 1688-1713) - benannt. Bis heute wird dieser menschenverachtende Kontext gern geleugnet und Brandenburg-Preußens Handel mit Versklavten im Berliner Lehrplan nicht erwähnt. 

Die rassistische Fremdbezeichnung „Mohr“ für Schwarze Menschen ist noch immer eng verbunden mit dem Stereotyp des unterwürfigen, kindlichen Dieners weißer Herrschaften. Seinen bekanntesten Niederschlag fand das diskriminierende Klischee im offiziell nicht mehr gebrauchten Markenzeichen der Firma Sarotti, die ihren Stammsitz in der Straße hatte. 

Christian Kopp von Berlin Postkolonial sagt: „Es ist beschämend, dass in Berlin bis heute die Legende verbreitet wird, der Straßenname würde eine 1684 angeblich dort untergebrachte, hochgeschätzte Delegation von zahlreichen Afrikanern ehren. Wie lange will sich die Bundeshauptstadt der kritischen Auseinandersetzung mit ihrer direkten Beteiligung am Versklavungshandel noch entziehen?“

Joshua Kwesi Aikins von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland sagt: „Die Kontroverse um den Straßennamen wirft grundsätzlichere Fragen auf. Der in dieser geteilten deutsch-afrikanischen Geschichte begründete Rassismus führt bis heute zu Menschenrechtsverletzungen in Deutschland. Es ist daher wichtig, sich in Fragen des Gedenkens nicht einfach an der aktuellen Mehrheitsmeinung zu orientieren.“

 

Infos & Kontakt: 

www.decolonize-mitte.de

 

Tahir Della:

tahirdella@isdonline.de, 030-700 858 89  

Christian Kopp:

buero@berlin-postkolonial.de, 01799-100976                              

Sylvia Werther:

werther@ber-ev.de, 030-49 85 53 80

Berlin, 02.02.2015