Stellungnahme zur Karikatur in der FAZ zum Thema „Erdogan möchte eine Rede halten“

Sehr geehrte Damen und Herren,

Berlin, 21.03.17

Die von Ihnen am 19.3.2017 veröffentlichte Karikatur zum Thema „Erdogan möchte eine Rede halten“ ist in ihrem rassistischen Gehalt kaum zu überbieten und hat in den letzten Tagen bei vielen Menschen zu großem Entsetzen geführt. Rassistische Darstellungen in einer solch offenen Form sind ein Beleg dafür, wie weit Deutschland von rassismusfreier Medienarbeit entfernt ist.

In Zeiten in denen rassistische Populisten an Zulauf gewinnen und rassistische Angriffe europaweit zunehmen liegt es vor allem an den Medien deutlich zu machen, dass derart rassistische Darstellungen keinen Platz haben.

Das Motiv spiegelt unseres Erachtens kolonialrassistische Phantasien wieder, die mancherorts tief eingeschrieben sind.

Darstellungen von Schwarzen Menschen als primitive Kannibalen sind ein historischer Mythos, der herangezogen wurde um die koloniale Verbrechen gegen Afrikaner_innen zu rechtfertigen. Bilder wie diese stigmatisieren auch heute noch Schwarze Menschen in Deutschland und weltweit.

Es sind genau diese Bilder, die Schwarze Menschen dehumanisieren und so zu einer „Normalisierung“ rassistischer Gewalt beitragen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen rassistische Populist_innen an Zulauf gewinnen und rassistische Angriffe auf Schwarze Menschen, Geflüchtete und Migrant_innen europaweit zunehmen, liegt es vor allem an Medien deutlich zu machen, dass derart rassistische Darstellungen keinen Platz haben sollten.

Weiterhin ist es bemerkenswert zu sehen, wie wenig sich die Medienschaffenden weiterentwickelt haben in den letzten Jahrzehnten und weiterhin auf rassistische Stereotypen zurückgreifen. Ihre politische Kritik wird mit solch einer Karikatur nicht etwa unterstrichen, sondern entlarvt Sie und Ihr Medium als politisch unbewusst und in alten Zeiten stecken geblieben.

Als Initiative Schwarze Menschen in Deutschland fordern wir von Ihnen daher eine Entschuldigung und eine angemessene Erklärung wie es zu einer solch menschenverachtenden Handlung kommen konnte.

Bitte beachten Sie, dass dieser Schriftverkehr zu Dokumentationszwecken öffentlich geführt wird.

Mit freundlichen Grüßen

ISD – Bund e.V. Vorstand

Lausitzerstraße 10, 10999 Berlin

Bafta Sarbo, Siraad Wiedenroth, Vincent Bababoutilabo, Jonas Berhe, Tahir Della

+49 70 004 73 2863 – isdbund.vorstand@isd-bund.orghttp://www.isdonline.de

 

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