PRESSEMITTEILUNG

27.2.2018

Straßenumbenennungen in Berlins „Afrikanischem Viertel“: Maji-Maji-Allee soll ostafrikanischen Widerstand gegen den deutschen Kolonialismus würdigen

Die im NGO-Bündnis „Decolonize Berlin“ engagierten Verbände und Vereine fordern die Umbenennung der Petersallee in Maji-Maji-Allee. Sie begrüßen die von den Fraktionen in Berlin Mitte vorgebrachten Vorschläge, die darauf zielen, die Lüderitzstraße (1902 benannt nach dem Begründer der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“, heute Namibia) und den Nachtigalplatz (1910 benannt nach dem Begründer der Kolonien Togo und Kamerun) in Würdigung von Persönlichkeiten aus dem antikolonialen Befreiungskampf dieser vom deutschen Kolonialismus direkt betroffenen Länder umzubenennen. Die Ehrung der namibischen Nationalheldin Anna Mungunda und des von den Deutschen ermordeten Widerstandskämpfers Rudolf Douala Manga Bell wurde von Hereros und Kameruner*innen immer wieder angeregt. Diese Umbenennungen tragen daher ganz konkret zur symbolischen Wiedergutmachung für die Verbrechen des deutschen Kolonialismus an den betroffenen Gemeinschaften bei.

Auf die selbe Art und Weise sollte nun aber auch die 1939 von den Nationalsozialisten nach dem kriminellen Begründer von „Deutsch-Ostafrika“ Carl Peters benannte Petersallee umbenannt werden, d.h. hier sollte ganz konkret der Widerstand in der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ gewürdigt werden. Auch dazu sind von der Berliner Bevölkerung und von hier lebenden tansanischen Aktivist*innen bereits mehrere Vorschläge eingebracht worden.

In diesem Sinne spricht sich das NGO-Bündnis „Decolonize Berlin“ entschieden für den Vorschlag einer Umbenennung der Petersallee in Maji-Maji-Allee aus, mit der der in Deutschland kaum bekannte, größte Befreiungskampf der deutschen Kolonialzeit – der sogenannte Maji-Maji-Krieg 1905-07 – erinnert und gewürdigt wird. Der von mehr als 20 südtansanischen Gemeinschaften gemeinsam getragene Maji-Maji-Aufstand (benannt nach dem Kampfruf der Freiheitskämpfer*innen, der sich auf ein vermeintlich schützendes Maji = Wasser bezog) wurde durch das deutsche Kolonialregime erbarmungslos niedergeschlagen. Die von den Deutschen angewandte „Strategie der verbrannten Erde“ kostete bis zu 300 000 Ostafrikaner*innen das Leben.

Der tansanische Aktivist und Stadtführer Mnyaka Sururu Mboro sagt dazu: „Ich führe jedes Jahr mehrere hundert Menschen durch das sogenannte Afrikanisches Viertel und berichte von Deutschlands Kolonialherrschaft im heutigen Tansania. Soll es nun einen Lern- und Erinnerungsort zum deutschen Kolonialismus geben, der diesen bedeutenden Widerstandskampf in Deutschlands größter Kolonie verschweigt? Auf eine Maji-Maji-Allee im Wedding wären wir aus Tansania stolz. Berlin könnte mit dieser Namensgebung beweisen, dass es seiner kolonialhistorischen Verantwortung gegenüber allen Betroffenen wirklich gerecht werden will.“

Infos der Bundeszentrale für politische Bildung zum Maji-Maji-Krieg: http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/209829/1905-der-maji-maji-aufstand

Kontakt Bündnis „Decolonize Berlin“: buero(at)berlin-postkolonial.de, 01799 100 976