Über Schwarze Menschen in Deutschland berichten

von Jamie Schearer und Hadija Haruna

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD)

Einleitende Worte

Die Auseinandersetzung mit Erscheinungsformen von rassistischer Diskriminierung beinhaltet auch die Beschäftigung mit der deutschen Sprache. Regelmäßig ist in den Medien zu beobachten, dass sie dort unzureichend ist oder schlichtweg fehlt. Problematisch wird dies, wenn durch die Reproduktion stereotyper Bilder, das Verwenden rassistischer Bezeichnungen oder die selektive Darstellung bestimmter Gruppen latent oder offen vorhandene Ressentiments verstärkt und legitimiert werden.

Viel vom Rassismus in den Medien ist durch das Heischen nach Schlagzeilen bedingt, weil „das Andere“ oft viel interessanter als die „(Norm)alität“ erscheint. So werden auch SchwarzeMenschen in einer mehrheitlich weiß geprägten Gesellschaft nicht selten als von der Norm abweichend beschrieben. Dazu kommt ein zum Teil diffuses Verständnis von Rassismus.

So kann eine Person rassistisch sein oder rassistische Sprache benutzen, obwohl sie Schwarze Freunde in ihrem sozialen Umfeld hat, Neonazis verabscheut und die Verbrechen des Holocausts verurteilt. Doch lässt sich eine derartige Argumentationsrichtung oft in den Medien ablesen: So wird einerseits in Beiträgen der ostdeutsche Neonazi kritisiert, weil auf den naturgemäß keiner etwas hält. Und andererseits wird über „Farbige“ geschrieben oder unverkrampft das N-Wort2 in die Titelzeile genommen. Nicht selten erfolgt auf eine Kritik eine Diskussion über künstlerische Freiheit, den Zwang zur politischer Korrektheit oder einer vermeintlichen Schere im Kopf. Diese Argumentation macht es jedoch leicht, sich gegen Selbstreflektion abzuschotten. Die auch in den Medien verbreitete Allergie gegen das so genannte „PC“ reicht von ganz rechts bis ganz links. Das zeigt, wie diffus die Vorstellungen davon ist. Dabei geht es um kommunikative Regeln, die auch einen Weg aus dem verbalen Erbe einer von Rassismus geprägten deutschen Kolonialgeschichte weisen könnten. Rassismus bedeutet in diesem Kontext, Unterschiede zu konstruieren, wo keine sind und Menschen in besser und schlechter einzuteilen, indem ihnen bestimmte, als gut oder schlecht bewertete Eigenschaften zugeschrieben werden.

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1 Schwarz wird großgeschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt, und keine reelle „Eigenschaft“, die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. So bedeutet Schwarz-sein in diesem Kontext nicht nur, pauschal einer „ethnischen Gruppe“ zugeordnet zu werden, sondern ist auch mit der Erfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen zu werden.

2 Aufgrund der despektierlichen Natur des N-Wortes wird durchgängig auf die Reproduktion verzichtet

Den geschichtlich verinnerlichten Rassismus, der sich auch in der deutschen Sprache fortsetzt, loszuwerden, bedeutet ihn ernst zu nehmen und sich mit seinen Erscheinungsformen auseinander zu setzen. So ist für eine antirassistische Kommunikation unter anderem wichtig, sich bewusst zu

machen:

  •  dass nicht alle Deutschen (auch Herkunftsdeutsche) weiß sind.
  • dass eine sachgemäße Darstellung auch ohne Rassifizierung, Exotismus und Zuschreibungen funktioniert.
  •  dass es (selbst)bestimmte Beschreibungen für Schwarzen Menschen und Begriffe mit (kolonial)rassistischen Hintergründen gibt, die nicht benutzt werden sollten.

Von althergebrachten Strukturen abzuweichen, bedeutet Aufwand zu betreiben. Ein Appell an alle Medienschaffenden ist es, den Anspruch zu entwickeln, die eigene Sprachwahl und Blick kritisch zu prüfen. Berichterstattung ist auch ein Machtfaktor. Wer die Deutungshoheit hat, kann bestimmen, was vermittelt und was eher nicht beschrieben wird. So sind es Journalisten, die über diese Regeln entscheiden und damit auch über rassistischen Sprachgebrauch – vor dem auch Medienschaffende nicht geschützt sind, die sie sich selbst als „aufgeklärt“ verstehen.

1) Migranten, Dealer und verzerrte Afrikabilder: Schwarze Menschen in den Medien

„Im Titel müssen Sie immer Afrika oder Finsternis oder Safari unterbringen. Im Untertitel können Worte wie Sansibar und Massai vorkommen oder Zulu, Sambesi, Kongo… Nützlich sind auch die Begriffe Guerilla, zeitlos, ursprünglich, Stamm…Auf einem einschlägigen Buchcover sollte nie ein ordentlich angezogener afrikanischer Mann oder Frau zu sehen sein, es sei denn sie oder er hat den Nobelpreis gewonnen. Eine AK-47, hervorstehende Rippen, nackte Brüste: Verwenden Sie dies. Wenn doch ein/e Afrikaner/in sein muss, dann nehmen Sie eine/n in Massai, Zulu oder Dogon-Tracht.“ (Auszüge aus dem Text „How to write about Africa“ des kenianischen Schriftstellers Binyavanga Wainan)

Ist ein Klischee erst einmal da, ist es schwer, es wegzubekommen. Das betrifft auch die über Schwarzen Menschen in den Medien – ein Ort, wo sich ihre Alltagsdiskriminierungserfahrungen widerspiegeln. Wainan beschreibt in seinem Text gängige Afrikaklischees, die die westliche Berichterstattung aber auch Filme und Bücher über Afrika prägen. Es sind Bilder des „schwarzen Kontinents“, in denen sich kolonialistische Sehnsüchte (Safaritourismus, unberührte Wildnis, Fernsehtitel wie „die weiße Massai“ oder „Mein Herz in Afrika“) mit einer obszönen Faszination von grausamen Kriegsbildern (Völkermord, Kindersoldaten) und Bildern von traditionell tanzenden „Stämmen“ vermischen. Das Bild des „Katastrophen-Kontinentes“ erzeugt dabei immer wieder aufs Neue sich reproduzierende Bilder eines von Krisen, Katastrophen, Armut und Hungerkatastrophen gebeutelten Afrikas. Nicht selten sind sie mit faktischen Fehlern und unvollständigen Analysen bestückt. Hinzu kommen die Bilder von goldkettchenbehangenen Zuhältern, Dienstboten, lustigen Dummköpfe ohne Persönlichkeit oder Gewalttätern hinzu. Auch werden Schwarze Menschen oft sexualisiert dargestellt, als Objekte und Unpersonen verzerrt oder auf ihr Schwarzsein reduziert

In den wenigsten Fällen sind sie intellektuell und im Fernsehen nur in Ausnahmefällen „normale“ Anwälte, Informatiker oder Lehrer. Hinzu kommt der Exotismus, als eine Form von Rassismus, der Schwarze Menschen „positiv“ kategorisieren soll: Zum Beispiel damit, dass sie von Natur aus tanzen oder singen könnten, ausgelassen oder temperamentvoll seien. Rassismus-frei wäre es, Schwarze Charaktere in ihrem normalen Alltag darzustellen und ein neutrales Image aufzubauen, ohne auf phänotypische Merkmale besonders aufmerksam zu machen. Dazu sind auch Bezugsmöglichkeiten wichtig, was beispielsweise die Repräsentanz Schwarzer Menschen in den Redaktionen und vor allem auch hinter dem Bildschirm betrifft.

2. Ein Blick in die Medien

Wer die Medienlandschaft analysiert, stößt nicht selten auf „versteckte Rassismen“. Die Gründe dafür sind vielfältig: Unwissenheit, Desinteresse oder weil bestimmte Bilder schon immer so waren und wenige sie hinterfragen.

1) „Kampf der Drogendealer um die Berliner Hasenheide“ (Die Welt, erschienen 22. Mai 2008) Der Text befasst sich mit dem Berliner Park und Drogenumschlagplatz Hasenheide. Die Gruppen der arabischen und afrikanischen Drogendealer bilden die Hauptakteure. Im ersten Absatz werden die Protagonisten mit dem reduktionistischen Begriff „Schwarzafrikaner“ umschrieben. Der Begriff dient sowohl als Indikator für die Fremdzuschreibung als auch der Rassifizierung entlang biologistischer Kriterien, die einhergehen mit der trennenden Verortung der Protagonisten südlich der Sahara. Doch sind weder „Schwarz“ oder „Afrika“ als Herkunftsangabe ausreichend. Die Vokabel zeigt viel mehr, dass nicht über die Herkunft des Bezeichneten recherchiert wurde und sie ausschließlich der Stereotypisierung dient. Dieses Muster der Vereinheitlichung findet sich in vielen Artikeln wieder. Rassismus-frei ist, Menschen danach zu bezeichnen, wer oder was sie sind, dabei sollte rassentheoretisches Gedankengut, das auf die phänotypische Merkmale anspielt, vermieden werden. Gleichzeitig konstruiert die Vokabel „Schwarzafrikaner“ ein Afrika entlang einer weißen Ideologie. Als würde es ein Schwarzes und ein nicht-Schwarzes Afrika geben. Eine Hierarchisierungen, die das „Schwarze“ Afrika negativ besetzt – ihm Krieg, Gewalt, AIDS, Hunger zuschreiben und das „andere“ Afrika positiv konnotiert.

„Die drei gerade Aufgegriffenen waren kurz zuvor von Zivil-Beamten des Streifendienstes beim Dealen beobachtet worden. Zwei von ihnen sind staatenlos, einer kommt aus Ghana. Mit Hilfe von Bereitschaftspolizisten werden sie nach Waffen und Drogen durchsucht. Polizeihunde sichern sie dabei.“

Die Frage, die sich bei dieser Passage stellt: Welche Information soll der Leser aus dem Benennen der Nationalität und Staatenlosigkeit der Protagonisten ziehen? Welche Bilder eröffnen sich dem Rezipienten und welche hat der Autor vielleicht selbst im Kopf? Wissenschaftlich wird diese Formulierungsart mit dem so genannten „Othering“ erklärt. Das „Andere“ wird markiert und damit ist das im Text beschriebene Drogenproblem – so die Suggestion – kein „hausgemachtes“, sondern ein an die „Ausländer“ geknüpftes. Dabei lässt sich statistisch die Drogenkriminalität nicht mit Einwanderung in Zusammenhang bringen, noch wissen wir im Fall des Textes mehr über die festgenommenen Protagonisten. Generell gilt: Die Staatsangehörigkeit sagt in den meisten Fällen wenig bis gar nichts über die Protagonisten aus. Denn Biographien in Deutschland sind so vielschichtig wie unsere Gesellschaft heterogen ist. Formulierung dieser Art übernehmen Funktionen, dass sollte Medienschaffenden klar sein. Wichtig ist es, sich die Frage zu stellen, ob es einen Unterschied macht, ob ein weißer oder Schwarzer Mensch eine Tat begangen hat. Es gibt nur einen rechtlich legitimen Grund äußerliche Merkmale zu benennen, wenn es sich um eine Fahndungshilfe handelt. Presserichtlinien missbilligen die einseitige Erwähnung von Herkunft, Nationalität oder konstruierter angeblicher „ethnischer

Zugehörigkeit“. Zu oft dient die Betonung der Hautfarbe, Abstammung, Religionszugehörigkeit oder Herkunft dem reißerischen Aufmachen und damit dem Medium selbst.

„’Sicherlich“, so weiß ein Zivilfahnder, „sind die Araber theoretisch in der Überzahl. Doch die Schwarzafrikaner kommen fast ausnahmslos aus Kriegsgebieten. Vielen von ihnen hat man als Kindersoldat eine Kalaschnikow in die Hand gedrückt. Diese Männer haben ein anderes Verhältnis zu Gewalt.‘ Das zeige auch eine Festnahme vor wenigen Tagen. Ein Mann schwarzer Hautfarbe sollte nach einem Drogendeal festgenommen werden. Als „Hüne“ beschreiben ihn die beteiligten Beamten. „Der Typ war Soldat in Zentralafrika, ist ein schneller Läufer und ausgebildeter Nahkämpfer“, erzählt ein Polizist. Drei Männer habe es gebraucht, um ihn zu überwältigen.“

Zwar wird hier im Text ein Polizist zitiert, doch steht diese Passage als Beispiel für die Auswahl eines Autors bezüglich der Verwendung seiner Zitaten und damit stellt sich immer die Frage, ob sie unkommentiert stehen gelassen werden können. So werden die Protagonisten im Text als besonders gewaltbereit beschrieben, weil sie „fast ausnahmslos“ aus Kriegsgebieten kommen. Welche Bilder schafft diese Aussage? Die Art der Stereotypisierung beschreibt die Wissenschaftlerin Grada Kilomba als so genannte „Dezivilisierung“. Schwarze Menschen verkörperten dabei Gewalt und Strukturlosigkeit und werden der Mehrheitsgesellschaft gegenübergestellt. Letztere wiederum gilt als kontrolliert, friedliebend, gewaltlos, gesetzestreu. Der „Afrikaner“ verkörpert das genaue

Gegenteil. Die Hierarchie wird deutlich. Auch zeigt die oben zitierte Passage nach Kilomba Aspekten die so genannten „Primitivierung“. Schwarze Menschen werden dabei als unzivilisiert und naturnah dargestellt. Auch für den Schwarzen Mann im Text werden derartige Analogien wie dem „Hünen“ oder „schnellen Läufer“ gewählt.

2) Barack Obama – ein Schwarzer Präsident

Wir erinnern uns an Barack Obama in seinem ersten Wahlkampf und die Frage nach der richtigen Bezeichnung seiner Person. In Deutschland herrschte damals (und heute) Unsicherheit, obwohl sich der heutige amerikanische Präsident in seinen Bücher und Reden klar positioniert. Doch wurde seine Selbstzuschreibung in Deutschland oft infrage gestellt. Wie beispielsweise im Text ‚Obamas Hautfarbe: Von N. und Schwarzen‘ (News.de, Januar 2009)“, der sich mit der Frage auseinandersetzt, wie der amerikanische Präsident bezeichnet werden soll.

Aber wie formuliert man das politisch korrekt? Ist es legitim, Obama den ersten „schwarzen“ Präsidenten der USA zu nennen? Ist er der erste „afroamerikanische“ Mann an der Regierungsspitze? Oder spricht man doch besser vom ersten «farbigen» Staatsoberhaupt der letzten Supermacht?

Schon beim Titel fällt auf, dass der Autor einen Begriff wählt, den die meisten Schwarze Menschen in Deutschland als rassistische Beleidigung empfinden. Eine Legitimation das N-Wort für „salonfähig“ zu erklären, gab es von ihnen nie. Vielmehr wehren sich gegen das scheinbar geltende „Recht“, sie mit dem N-Wort zu bezeichnen, da er ausschließlich despektierlicher Natur ist. Das N-Wort weist eine lange gewaltvolle Geschichte auf. Den meisten dürfte das immerwährende Sterben der „zehn kleinen N.-lein“ noch gut im Gedächtnis sein. Der Text erschien 1884. Das Jahr, in dem in Berlin die „Kongokonferenz“ über die Aufteilung Afrikas am grünen Tisch entschieden wurde. Zusammen mit dem deutschen Imperialismus prägte sich mit dem N-Wort ein zunehmend herablassender Blick auf Schwarz positionierte Menschen ein, den schon Kant in seinen Vorlesungen 1791 skizzierte: Sie seien wie Kinder und benötigten Erziehung, zudem hätten „die N. von Afrika […] von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege.“3 Immer wieder wurde unter Zuhilfenahme von damals noch für wissenschaftlich gehaltenen Thesen darauf hingewiesen, dass „dem „N“ bestimmte stereotypische Eigenschaften „angeboren“ seien: „naturnah“, „wenig intelligent“, „impulsiv“ oder „wild“. Diese klar rassistischen Ansichten tragen ihre Spuren bis in die heutige Zeit hinein. Damit sollte klar sein, dass das N-Wort (wie alle anderen rassistischen Termini) nicht „unverkrampft“ oder eben ironisch verwendet werden sollten. Es geht dabei nicht um formelhafte politische Korrektheit, sondern um Respekt und Verantwortung.

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3 Immanuel Kant: Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen, in: Werkausgabe Bd. II. Suhrkamp Verlag. Frankfurt/Main 1988, Seite 880 (Erstausgabe 1764).

„Brisant und schwierig scheint die Wortwahl, weil jeder der Begriffe mit einer bestimmten Bedeutung aufgeladen ist. Jedenfalls im Englischen…Im Deutschen hält der Sprachwissenschaftler die Verwendung aller  drei Begriffe – schwarz, farbig, afroamerikanisch – für möglich. Sie stünden gleichberechtigt und ohne wesentliche Bedeutungsunterschiede nebeneinander. In Deutschland seien Sprachregelungen allgemein weniger wertend aufgeladen als in den USA.“

Die Schlussfolgerung, dass Begriffe aufgeladen sind ist richtig und ein entscheidender Punkt, den auch der Autor anmerkt. Doch begeht er den Fehler die Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland gänzlich auszublenden. So unterstellt das Zitat, dass es diese nicht im Deutschen gäbe. Doch haben sie auch in der deutschen Sprache eine eigenständige, kolonialrassistische Historie, die politisch und damit bedeutungsträchtig ist. Es handelt sich beispielsweise um Begriffe wie

„Mulatte“, „Mischling“, „Mohr“, „Schwarzafrikaner“, „Bimbo“, „Farbiger“ oder das N-Wort. Der Begriff Schwarz wird hingegen in Deutschland, aber auch in anderen Teilen der Schwarzen/ afrikanischen Diaspora als Selbstzuschreibung verwendet. Der Begriff bezieht sich dabei nicht nur, wie oft angenommen, auf die Hautfarbe, sondern auch auf eine gesellschaftliche/soziale Positionierung und Realitätserfahrung von Menschen mit Rassismuserfahrungen. Im persönlichen Gespräch mit Einzelnen ergibt sich vielleicht, dass jemand die Bezeichnung „Afrodeutsch“ bevorzugt. Auch das ein selbstgewählter Begriffe aus der Schwarzen Bewegung in Deutschland4 . Interessanterweise haben jedoch viele Menschen ein Problem mit der Bezeichnung Schwarz. Nicht selten wird sie mit einem rassistischen Ausdruck oder etwas schlechtem assoziiert. Der Hintergrund dieses Irrglaubens ist simpel. Er ist sozialisiert. Die Geschichte der bösen Jungen aus dem „Struwwelpeter“, die den kleinen „Mohr“ ärgern und zur Strafe ins Tintenfass gesteckt werden, um noch schwärzer zu werden, erklärt das Denkmuster. Die Unterscheidung ging mit einer Politik unterschiedlicher „Wert-Einstufungen“ der Menschen einher, die weiße Menschen als besser und schöner bewerten und sich weltweit bis heute fortsetzt. So gilt auch der Begriff „Farbig“ als die „höfliche“ Formder Aufwertung vom Schwarz-sein und einer Positionierung näher zum Weiß-sein. Ein Begriff, der einen angeblichen Makel beschönigen soll und damit, wie alle anderen Beschreibungen, zu einer rassistischen Farce wird.

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4Auch der Begriff „PoC” für „People of Color“ zählt dazu. Mit dem Konzept wird zunächst einmal vorausgesetzt, dass Menschen, die nicht weiß sind, über einen gemeinsamen Erfahrungshorizont in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft verfügen. Anders als etwa „coloured“, was als eine von weißen Menschen gewählte und koloniale Zuschreibung gilt, sind „People of Color“ in erster Linie „people“, also „Menschen“. Der Ausdruck wird in Deutschland vorrangig im akademischen Umfeld benutzt und ist in vielen englischsprachigen Ländern eine gängige Bezeichnung. In Deutschland hat sich der Begriff im Alltag noch nicht durchsetzen können, was daran liegen mag, dass er lang und englisch ist, oder auch daran, dass die unterschiedlichen Lebensrealitäten von People of Color auf wenig breites Interesse stoßen.

3. Zusammenfassung – Der Selbstcheck

• Zur Selbstüberpüfung persönlicher Bilder nutzen Sie den Rollentausch! Setzen Sie jeweils „weiße Menschen“ in den jeweiligen Kontext ein, um zu entscheiden, ob sie sich dann  immer noch so ausdrücken würden.

• Vermeiden Sie Zitate die aus Protagonisten zu „Anderen“ oder „Fremden“ machen, dieHierarchien zwischen weißen und Schwarzen Menschen aufbauen oder rassistische Begriffe oder Bilder enthalten (auch wenn sie gut gemeint sind).

• Ordnen Sie Zitate in ihrem Beitrag ein, sollte eine Reproduktion von rassistischen Diskursen oder Begriffen unvermeidlich sein.

• Öffnen Sie den Diskurs und lassen Sie auch Schwarze Menschen zu Wort kommen, wenn es um ihre Themen geht. Es gibt viele Experten und Interessensverbände die Auskunft bieten.

• Hinterfragen Sie sich selbst! Welche Bilder und Assoziationen schaffen Sie in den Köpfen Ihrer Leser_innen mit Ihren Ausführungen – selbst wenn Sie das nicht wollten.

• Respektieren sie politische Selbstbezeichnungen – nutzen Sie das Wort Schwarz zur Bezeichnung, auch wenn es Ihnen komisch erscheinen mag – aber nur, wenn es einer Beschreibung der gesellschaftlichen und politischen Positionierung als Schwarz wirklich bedarf. Vermeiden sie das N-Wort, „Farbige“ oder sonstige kolonialrassistische Erbstücke.

4. Quellen

Binyavanga Wainana (2005): “How to write about Africa”, Granta 92.

Grada Kilomba (2010): Plantation Memories: Episodes of Everyday Racism, Unrast.

Michael Behrendt und Axel Lier (22.05.2008): „Kampf der Drogendealer um die Berliner

Hasenheide“, Die Welt. http://www.welt.de/morgenpost/article2024612/Kampf-der-Drogendealerum- die-Berliner-Hasenheide.html

Sebastian Haak: „Obamas Hautfarbe (Januar 2009): Von N. und Schwarzen“, News.de.

http://www.news.de/politik/758174165/von-negern-und-schwarzen/1/

Weiterführende Literatur

Der Braune Mob: http://www.derbraunemob.de

Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hg), Afrika und die deutsche Sprache – ein kritisches Nachschlagewerk.

Imran Garda (4. Juni 2012): 9 Signs the Journalism on Africa You’ve just Encountered is Trash, Huffington Post.

Lutz Mükke (2009): Allein auf weiter Flur: Korrespondenten in Afrika, Aus Politik und

Zeitgeschichte 34-35/2009: Entwicklung in Afrika.

Binyavanga Wainana (Juni 2012): How not to write about Africa in 2012 – A beginner’s guide, The Guardian.

Tahir Della und Adibeli Nduka-Agwu (2010): Afrodeutsch/Afrodeutsch_e, Aus Rassismus auf gut Deutsch: Ein kritisches Nachschlagewerk zu rassistischen Sprachhandlungen, Adibeli Nduka-Agwu / Antje Lann Hornscheidt (Hrsg.), Brandes & Apsel.