Forschungsteam aus Kamerun darf zu Provinienzforschung nicht Einreisen
Begründung der Visa-Ablehnung offenbart unveränderte rassistische Gedankenmuster
sämtliche Papiere, die für die Einreise erforderlich sind müssen unverzüglich ausgestellt werden
Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund e. V.) und AfricAvenir reagieren mit Fassungslosigkeit, tiefem Befremden, und absolutem Unverständnis auf die Ablehnung des Visa-Antrags der Forscher*innen aus dem Umfeld von Prof. Albert Gouaffo (Universität Dschang/Kamerun) durch die deutsche Botschaft in Jaunde.
Abgesehen von der Tatsache, dass sich die Bundesrepublik im vorliegenden Sachverhalt schon deshalb widersprüchlich verhält, da die Einladung des kamerunischen Forschungsteams anlässlich einer Konferenz zum Abschluss eines Provinienzforschungsprojekts durch das Münchner Museum „Fünf Kontinente“ ausgesprochen wurde – einer staatlichen Einrichtung nota bene -, während eine andere Institution des gleichen Staates die dafür erforderlichen Voraussetzungen verweigert, ist die Begründung der Botschaft entlarvend und offenbart einmal mehr die unverändert tief sitzenden rassistischen Gedankenmuster westlicher Institutionen:
Die Ablehnung seitens der Pass- und Visastelle, welche den Forscher*innen eine mangelnde Bereitschaft zur Rückreise nach Tagungsabschluss unterstellt, ist bezeichnend für die restriktive Einreisepolitik, selbst zu wissenschaftlichen Zwecken, und an Respektlosigkeit gegenüber Menschen afrikanischer Herkunft im Allgemeinen sowie gegenüber den Wissenschaftler*innen im Besonderen nur schwer zu überbieten.
Die ISD Bund e. V. solidarisiert sich daher mit Prof. Gouaffo sowie dem Team seiner Forschungsstelle und fordert die unverzügliche Ausstellung sämtlicher Papiere, die für die Einreise erforderlich sind. Zudem muss diese Angelegenheit im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages thematisiert und entsprechende Konsequenzen im Auswärtigen Amt gezogen werden, das an oberster Stelle für die Arbeitsweise der Botschaften verantwortlich zeichnet, um Skandalen wie diesem in Zukunft prinzipiell einen Riegel vorzuschieben. Vor dem Hintergrund des durch die Bundesregierung wiederholt formulierten Anspruchs sich der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit zu stellen, sind solche Maßnahmen zwingend, da es sich andernfalls um eine reine Absichtserklärung handelt, die das Papier nicht wert ist, auf dem sie verfasst wurde.
Das ISD Statement findet ihr hier auch als PDF
