Sehr geehrter Herr Ivers,

nachdem der Proteststurm auf Facebook und unserer Online-Seite sich etwas beruhigt hat, möchten wir uns gerne öffentlich auf Ihr Schreiben zurückmelden. Zur Erklärung vorab: Wir haben mit unserer Stellungnahme einen Dialog zu ihrer Band gesucht und verstehen Sie nun als Ansprechpartner für Knorkator.

Gerne möchten wir auf einzelne Punkte in Ihrem Schreiben eingehen, Herr Ivers. So schreiben Sie zu Anfang, dass sie sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen müssten, „als ein Rassist gesehen zu werden“. Dem würden wir gerne widersprechen. Wir kennen Sie nicht persönlich und haben Sie in keinster Weise als Rassist bezeichnet. Sehr wohl aber haben wir die Bebilderung ihres Covers und die Bewerbung als rassistisch gekennzeichnet und dies sowohl inhaltlich als auch geschichtlich begründet. Wir sehen darin einen erheblichen Unterschied. So kommt es leider, dass auch Menschen mit besten Absichten und gutgemeinten Intentionen nicht davor geschützt sind, sich beispielsweise rassistischer Bilder zu bedienen.

Dieser Aspekt führt zu einer weiteren Aussage von Ihnen. Sie schreiben, dass Sie „anerkennen, dass Initiativen, Bilder oder Wortspiele, welche nicht im Kontext gesehen, auch nicht so verstanden werden.“ Und es bitter sei, wenn bisherige Reaktionen und Antworten auf kritische Fragen als fadenscheinig abgewehrt würden. Leider ist uns nicht klar, worauf sich die Kritik unserer angeblichen Abwehr bezieht und bedürfte einer genaueren Erklärung. Zudem ist uns der Kontext, auf den wir uns angeblich ebenfalls nicht beziehen, nicht klar. Zum Thema Kontexabhängigkeit können wir nur sagen: Auch wenn in diesem Fall der Inhalt Ihres Albums und die Umsetzung der Lieder gut und wertfrei ist (wovon wir gerne ausgehen wollen), so ändert dies nichts an der Wirkung der rassistischen Bildsprache, die Sie gewählt haben. Auch die Tatsache, dass eine POC-Frau sich hat blackfacen lassen ändert daran nichts. Dies war ihre persönliche Entscheidung und steht nicht für die Zustimmung oder die repräsentative Meinung aller Schwarzer Menschen, was allein durch unser Schreiben und die Kommentare auf Facebook deutlich geworden sein sollte.

Gerne würde wir auch auf Ihre Frage eingehen, ob es sich bei unserem ersten Schreiben um eine Erklärung und Stellungnahme oder um eine offensichtlich unanfechtbare Kritik an einer Aktion ist, die durch nichts mehr gerade zu biegen ist?
Wir haben mit unserem Schreiben nach Erhalt mehrerer Beschwerden über das Cover Ihres Albums, das öffentliche Schreiben verfasst, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, unsere Perspektive zu hören, in der Hoffnung, dass sie den Fauxpas erkennen und ihn korrigieren. Demnach kann „das Kind, das in den Brunnen gefallen ist“ von Ihnen wieder herausgefischt werden. Das würden wir sogar sehr begrüßen und als einen positiven Akt der Verantwortung empfinden.

Zurückweisen möchten wir jedoch Ihre Aussage, dass unsere Meinung Ihr Cover und die Bewerbung als „stereotyp rassistisches Machwerk abzustempeln eine unangemessen gefährliche Bewertung“ sei. Menschen werden und das wissenschaftlich erwiesen nach Stereotypen beurteilt, was gute und schlechte Seiten hat. Wie entsprechend rassistische Stereotype bewertet und angenommen werden, obliegt dem Reflexionsgrad jedes Einzelnen. Und leider machen viele Schwarze Menschen seit vielen hundert Jahren negative Erfahrungen – entgegen Ihrer Meinung – damit immer wieder.

Gerne würden wir die Entschuldigung, „dass die Band Knorkator mit diesem Motiv Menschen verletzt, beleidigt oder lächerlich gemacht haben soll“ annehmen. Dazu schreiben Sie, dass Sie versuchen möchten einen gangbaren Weg zu finden, der den vermeintlichen Schaden reduziert, bzw. weitere Nachteile verhindert.
Gerne würden wir erfahren, wie dieser aussehen wird. Wir denken, dass wir in unserem Schreiben unseren Wunsch deutlich gemacht haben. Ein Änderung des Covers würde der Reproduktion rassistischer Stereotype in jedem Fall Einhalt gebieten und Ihre positive Intention für alle ersichtlich deutlich machen. Zudem würde diese Entscheidung in Zukunft als öffentlicher Meilenstein für andere Bands und Künstler in der Auseinandersetzung mit den Erfahrungen marginalisierter Menschen gelten.

Wir hoffen, dass Sie mit diesem Schreiben erkennen, dass wir eine offene und ehrliche Auseinandersetzung auf Augenhöhe suchen. Die Meinung, die wir im ersten Schreiben vertraten, hat sich nicht geändert. Wir hoffen, diese hiermit deutlicher und verständlicher gemacht zu haben.

So verbleiben wir mit freundlichen Grüßen
und hoffen auf eine positive Rückmeldung Ihrerseits.

Der ISD-Vorstand
Erster Brief hier

Antwort von Gero Ivers von Knorkator hier

Andere Stellungnahmen unter anderem hier, hier und hier.