Völkermordklage gegen Deutschland: Ovaherero und Nama fordern keine „individuellen Entschädigungen“

Berlin Postkolonial & Ovaherero Paramount Chief Vekuii Rukoro PRESSEMITTEILUNG | 09.01.2017 Völkermordklage gegen Deutschland: Ovaherero und Nama fordern keine „individuellen Entschädigungen“. Sie drängen auf Beteiligung an Regierungsverhandlungen und Reparationen für einen kommunalen Aufbau-Fonds. Auf die am 5.1.2017 beim Bundesgericht in New York durch Ovaherero- und Namavertreter eingereichte Sammelklage gegen die Bundesrepublik gab es von deutscher Seite zahlreiche Pressereaktionen. Dabei wurden leider auch von renommierten Medien gravierende Fehlinformationen verbreitet, welche zur Diskreditierung der vom Genozid betroffenen Gemeinschaften beitrugen. So berichtete beispielsweise Spiegel Online am 6.1.2017 irreführend davon, dass sich die Bundesrepublik Deutschland bereits 2016 offiziell für den Völkermord entschuldigt hätte. Dabei haben beschämenderweise bisher weder der Bundestag, noch die Bundesregierung oder der Bundespräsident die Nachfahren der Opfer des Völkermords um Vergebung gebeten. Noch gravierender ist jedoch die vom Evangelischen Pressedienst (EPD) verbreitete und von zahlreichen Zeitungen aufgegriffene Behauptung des Sonderbeauftragten der Bundesregierung, Ruprecht Polenz (CDU), den Klägern würde es „um persönliche Geldentschädigung an Nachfahren früherer Opfer gehen“. Obwohl es die Bundesregierung nach dem Pressesprecher des Auswärtigen Amtes Schäfer bislang „bewusst unterlassen“ hat, offizielle Gespräche mit den Nachfahren zu führen, war dies schon vorher öfter behauptet worden. Die Verbände der bis heute von ihrem Land vertriebenen, oft in bitterer Armut lebenden Ovaherero und Nama haben dagegen immer wieder betont, dass sie keine individuellen Entschädigungen fordern würden. In ihrer jetzt eingereichten Klage unterstreichen die Ovaherero und Nama vielmehr, dass sie die von Deutschland verlangten Wiedergutmachungszahlungen zur Einrichtung eines kommunalen „Aufbau-Fonds“ (Constructive Trust) einsetzen wollen. Die Größe dieses Fonds soll dem von Deutschland zu bestimmenden Wert des ihnen im Zuge des Völkermordsgeraubten Landes, Viehs und Eigentums entsprechen. Zudem soll in diesen Fonds eine empfindliche Geldstrafe einfließen, die Deutschland auch...

(De-)koloniale Bilderwelten mit den Künstler_innen Rajkamal Kahlon, Isaiah Lopaz und Lena Ziyal

„Ist die beste Subversion nicht die, Codes zu entstellen statt sie zu zerstören?“ (Roland Barthes)   Im Rahmen des Projektes (De-)koloniale Bilderwelten (zum Projekt) haben wir die internationalen Künstler_innen Rajkamal Kahlon, Isaiah Lopaz und Lena Ziyal  dazu eingeladen, aus ihrer jeweiligen künstlerischen Perspektive globale Ungerechtigkeit in einer diskriminierungssensiblen Art und Weise kreativ zu übersetzen. Daraus sind Plakate kreiert worden, die Menschen zum (politischen) Handeln anregen.               Ausgangspunkt ist die anhaltende Diskussion in der entwicklungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit und Spendenwerbung, die von Seiten rassismuskritischer Akteur_innen schon seit langen kritisiert wird. In Darstellungen globaler Ungerechtigkeit greift die entwicklungspolitische Spendenwerbung in den meisten Fällen auf diskriminierende und rassistische Bilder zurück. Hilfe scheint häufig die einzige Beziehung zwischen Globalem Norden und Globalem Süden, während Ausbeutungsverhältnisse sowie strukturelle Ursachen für Armut und Wohlstand keinen Eingang in die entwicklungspolitische Bildpolitik finden.                 ISD Bund und glokal haben in den letzten Jahren eine Vielzahl von Workshops durchgeführt, in denen wir die Spendenplakate und andere entwicklungspolitische Öffentlichkeitsarbeit analysiert und dekonstruiert haben. Mit dem Projekt (De-)koloniale Bilderwelten sind wir nun mit den einmaligen künstlerischen Arbeiten von Rajkamal Kahlon, Isaiah Lopaz und Lena Ziyal einen Schritt weiter gegangen. Die im öffentlichen Raum gezeigten Bilder funktionieren quasi als Gegenentwurf zu den in der Vor- und Weihnachtszeit massiv präsenten problematischen Spendenplakaten und hängen nun bis zum Montag, den 9. Januar 2017 rund um den Moritzplatz in Berlin Kreuzberg. Die drei Plakate sind an folgenden Straßen ausgestellt: – Moritzplatz/Oranienstr. – Oranienstr. 138/Lohbeckstr. bei der Shell Tankstelle – Oranienstr. 153/2. STO Wir laden Euch herzlich ein, euch die einzigartigen Exponate anzuschauen!Darüber hinaus wird...

Beyond Blackface

Dan Biss hat für das Europäische Netzwerk Menschen afrikanischer Abstammung (ENPAD) einen Artikel über die Tradition des rassistischen Blackfacing verfasst. by Dan Biss Blackface is not a new phenomenon, but the attitudes around it have evolved with the changing times. Today it may be seen as shocking or taboo, but its racist roots can be traced back almost two hundred years. While in the 1800s this “humor” was accepted as open racism that justified slavery and Jim Crow laws in the United States and other oppressive policies against People of Color by the West, today white society tries to avoid the guilt of its roots while gripping the giggles. A brief review…  Blackface has been a staple in Western Society since the mid 19th century, when white men first began to perform “minstrel shows”. These performances date back to the Transatlantic Slave era when European colonizers kidnapped and enslaved African Peoples. Blackface was a form of entertainment amongst white mass society that perpetuated stereotypes of inferiority about Africans held in bondage. These stereotypes were imposed on Africans by white society in order to justify and normalize the brutality of enslavement and exploitation. White men would paint their skin black with grease, cork, or even shoe polish, and dance and sing on stage for white audiences as if a “happy” “silly” “loyal” and most importantly – “stupid” – slave. The humor was simple: See how these savages are? Slavery… They love it! And if that could make the white audience roar with laughter, how bad could it really be then? And that’s the point. Racist humor functions as a license...

Ein Appell an die Kritische Tradition der Goethe Universität Frankfurt a.M.

Pressemitteilung 16.12.2016 Infolge eines Antirassismus-Workshops an der Goethe Universität in Frankfurt a.M., wurden die beiden Dozenten Tahir Della (ISD) und Timo Kiesel durch die Jugendorganisation der AfD diffamiert, während sie eine kritische Perspektive auf Racial Profiling nahelegten. Racial Profiling erachten wir als eine diskriminierende und menschenfeindliche Praxis. Wir unterstützen die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) in ihrem Engagement zu dessen Abbau. Ebenso begrüßen wir das Vorhaben des Berliner Senats bezüglich einer gesetzlichen Klarstellung zum Verbot der Praxis des Racial Profiling und die angestrebte Bundesratsinitiative zur gesetzlichen Klarstellung im Bundespolizeigesetz. Gerade heute angesichts zunehmender rechter Gewalt sowie des Rechtsrucks in Gesellschaft und Politik steht Universitäten die verantwortungsvolle Aufgabe zu, demokratiefeindlichen Tendenzen entgegenzutreten. Es ist bedauerlich, dass sich die Goethe Universität von der rassistischen Hetze der AfD-Gruppierung instrumentalisieren lässt. Dies ist in keinster Weise vereinbar mit dem Vermächtnis von Johann Wolfgang von Goethe und der Kritischen Tradition der Frankfurter Schule. Wir zeigen uns solidarisch mit den Referent*innen und unterstützen die Forderungen der ISD, nämlich, dass:[1] ● Die Stimmen der restlichen Teilnehmenden gehört werden, um sich ein abschließendes Bild über den Workshop zu erlauben. ● Die Aussagen des AfD Mitglieds und Junge Alternative Aktivisten Jonas B. als das verstanden werden müssen, was sie sind: Gezielte medien-politische Hetze und Provokation. ● Die Goethe Universität sich nicht von den Jungen Alternativen einschüchtern lässt, ihre Handlungen nicht allein auf die Aussagen eines einzigen Teilnehmers stützt und sich stattdessen weiterhin mit Rassismus in Gesellschaft und Universität auseinandersetzt. ● Dass die Universität ihre Entscheidung, nicht mehr mit „glokal e.V.“ zusammenzuarbeiten, zurücknimmt und dies öffentlich bekundet. Kontakt: ADNB des TBB, Céline Barry, adnb@tbb-berlin.de, 030-61 30 53 28...

Stellungnahme des Gleichstellungsbüros der Goethe-Universität

Frankfurt,  16.12.2017 Das Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität arbeitet seit Jahren sehr engagiert dafür, Chancenungleichheit und Diskriminierung an der Universität möglichst keinen Raum zu geben und Personen zu unterstützen, die von Diskriminierung betroffen sind. Dazu hat die Universität u.a. in ihrem Hochschulentwicklungsplan viele Initiativen vorgesehen, wie z.B. die Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle für Studierende. Es ist dem Gleichstellungsbüro ein zentrales Anliegen, auf persönliche und strukturelle Diskriminierung an Hochschulen aufmerksam zu machen und gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden zu diskutieren, wie ihr entgegen gewirkt werden kann. Vor diesem Hintergrund mussten wir bestürzt wahrnehmen, dass in einer Medienveröffentlichung der Eindruck entstanden ist, dass sich das Gleichstellungsbüro als Veranstalterin des Workshops „Rassistisch? – Ich doch nicht! Rassismuskritische Sensibilisierung im Hochschulkontext“ von den beiden Referenten aufgrund einer Pressemitteilung der „Jungen Alternative“ distanziert habe. Dies war zu keinem Zeitpunkt der Fall und wir bedauern sehr, diesem Eindruck nicht noch stärker entgegen gewirkt zu haben! Der Versuch des Gleichstellungsbüros, sich in einem Artikel der FR deutlich zu positionieren, hat leider auch nicht die nötige Klarheit vermitteln können. Auf eine erneute Stellungnahme gegenüber der Presse haben wir verzichtet, um weiteren Profilierungsversuchen der „Jungen Alternative“ keinen Raum zu geben. Wie bereits am 14.12.2017 im Senat der Goethe-Universität, verurteilen wir auf das Schärfste die Absicht rechtspopulistischer Akteur_innen, durch unwahre Behauptungen die Arbeit der Sensibilisierung für Rassismus im Hochschulkontext zu beschädigen! Die von dem studentischen Mitglied der „Jungen Alternative“ dargestellten Sätze sind in dem Workshop zu keiner Zeit gefallen. Wie schon in der Stellungnahme der Universität vom 15.12.2017 klargestellt, steht die Tatsache, dass die Zusammenarbeit mit den Referenten des Workshops beendet wurde, in keinerlei zeitlichem und kausalem Kontext mit der Pressemitteilung der...