Decolonize Berlin

Liebe Community, liebe Freund_innen, wie vielleicht einige von euch schon wissen hat der lange Kampf um eine Umbenennung von Straßennamen, die entweder Koloniale Verbrecher ehren oder Rassistische Bezeichnungen tragen, einen Teilerfolg erzielt. Mit dem Beschluss vom 17.03.2016 hat die Bezirksverordnetenversammlung Mitte von Berlin das Bezirksamt Mitte ersucht, „unter Beteiligung von Bürger_innen und zivilgesellschaftlichen Akteuren einen Prozess durchzuführen, an dessen Ende Umbenennungsvorschläge für die Petersallee, Nachtigalplatz und Lüderitzstraße vorliegen“ Ab November soll eine Jury (bestehend aus Bezirksamt, Mitgliedern der BVV, Aktiven der Afrikanischen/Postkolonialen Community und weiteren Initiativen) eingereichte Vorschläge auswählen und eine Namensdebatte starten. Das hat der Kulturausschuss mit den Stimmen der SPD, Grünen, Linken und Piraten beschlossen. Nur die CDU hat dagegen gestimmt. Als Folge dieser Entscheidung hat der Amtsleiter und Volkshochschuldirektor Michael Weiß, vom Bezirksamt Mitte und dem Amt für Weiterbildung und Kultur 4 Aktivist_innen gebeten ihn bei der Entscheidung über die neuen Straßennamen in Form eines Beirates zu unterstützen. Die Aktivist_innen die Herr Weiß angefragt hat heissen Josephine Apraku Bertrand Njoume Mnyaka Sururu Mboro Tahir Della In dieser Funktion schreiben wir nun euch mit folgenden Aufruf an. Im Vorfeld der Debatte wollen wir der Schwarzen/PoC Community die Gelegenheit geben Vorschläge für alternative Straßennamen zu präsentieren und der Community und Öffentlichkeit mit einem kurzen Input zu begründen wen sie für geeignete Personen für einen Straßennamen halten. Vorgabe für die neuen Straßennamen sind, laut dem Antrag des Bezirkes, das „Persönlichkeiten, insbesondere Frauen, der (post)kolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung aus Ländern Afrikas zu ehren sind“. Zwischen den vorgeschlagenen Namen von Widerstandskämpferinnen und den umzubenennenden Straßen bzw. ehemaligen deutschen Kolonien soll ein klarer Bezug stehen. Den Event wollen wir mit Informationsmaterialien, kurzen...

Der Spaß hört da auf wo Rassismus beginnt!

Stellungnahme der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland zur geplanten Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ am 29.10.2016 Der Spaß hört da auf wo Rassismus beginnt! Sehr geehrter Herr Boudgoust sehr geehrter Herr Hauser, Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland engagiert sich seit Jahren gegen die immer noch gängige Praxis des Blackfacing in Deutschland an deutschen Bühnen, in den Sendeanstalten der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsender und in alltagskulturellen Bereichen wie dem Karneval. Diese Form der Darstellung Schwarzer Menschen führt eine rassistische Tradition fort, die – auch in Deutschland – zu keinem Zeitpunkt hinnehmbar war oder ist. Trotz der in der Vergangenheit geführten öffentlichen Auseinandersetzungen in ähnlichen Fällen (Günter Wallraff , Dieter Hallervorden,  Denis Scheck, Wetten dass …?) hat sich scheinbar immer noch nicht die Erkenntnis breit gemacht, dass rassistische Praxis, zu keinem Zeitpunkt gesellschaftsfähig ist. Für die Sendung „Verstehen Sie Spaß…?“ vom SWR ließ sich der Moderator Guido Cantz in rassistischer Blackfacing-Tradition mit brauner Schminke im Gesicht und aufmodellierten unnatürlich dicken Lippen als Schwarzen Südafrikaner verkleiden (Einen stereotypen Akzent lieferte er bei seinem Auftritt gleich mit!). Besagter Sketch wurde in der Schweizer Sendung „Happy Day“ aufgezeichnet mit dem Ziel, den Moderator Röbi Koller  in der Sendung mal so richtig aufs Korn zu nehmen. Tatsächlich jedoch werden rassistische Traditionen und rassistische Bilder von als dümmlich dargestellten Afrikaner_innen aufgerufen und reproduziert und das in der Blackfacing-Manier des Minstrel Theaters aus dem 19.Jahrhundert*  mit der Schwarze Menschen ins Lächerliche gezogen werden. In dem Sketch sucht Franziska, eine weiße junge Schweizerin, vermeintlich ihren Vater. Als der Schwarze Mann ihr als Vater vorgestellt wird, bricht bei ihr eine Welt zusammen. Denn ein Schwarzer Vater kann ja nur schlimm sein – zur Erheiterung des Publikums. Dabei scheint niemandem die grotesk...

Stellungnahme zu den Vorwürfen in dem Artikel „Gegen Israel – mit öffentlichen Geldern“ im Tagesspiegel von Johannes C. Bockenheimer am 20.10.2016

Das Ballhaus Naunynstraße ist eine kulturelle Institution – in diesem Sinne wurde auch das  Kunstfestival After the last Sky (09. September- 09. Oktober 2016) entwickelt. Ziel war es,bisher wenig in Berlin bekannte, künstlerische Positionen zu zeigen und einen Raum der ästhetischen Erfahrung, des künstlerischen Austauschs und der Begegnung zu schaffen. Leider sehen wir uns gezwungen, auf die im Tagespiegel von Johannes C. Bockenheimer geäußerten Vorwürfe zu reagieren. Konkret: Die Aussagen, in denen angeblich zur Gewalt aufgerufen oder Gewalt als legitimes Mittel eingestuft wurde, die Johannes C. Bockenheimer der Workshopleiterin zuschreibt, sind laut mehreren Zeugenaussagen falsch. Die falsch zitierte Workshopleiterin behält sich vor, rechtliche Schritte gegen Johannes C. Bockenheimer zu unternehmen. Johannes C. Bockenheimer bezieht sich in seinem Artikel des Weiteren auf ein Podiumsgespräch vom 26.09.2016. In diesem wurde ein Raum geöffnet für jüdische und palästinensische Feministinnen für einen Austausch über die Frage, wie künstlerische Positionen emanzipativ artikuliert werden können. Dass Johannes C. Bockenheimer jüdische Stimmen, die an unserem Festival teilgenommen haben, in dieser Weise verschweigt, macht uns betroffen; ebenso, dass die palästinensischen Stimmen verfälscht werden und die vielfältigen Teilnahmen von Schwarzen und POCs unerwähnt bleiben. Insgesamt verwehren wir uns gegen die verleumderischen Zuschreibungen, dass bei dem Festival antisemitische oder rassistische Positionen geäußert wurden. Grundlage unserer künstlerischen Arbeit ist, dass wir jedwede Form von Antisemitismus, Diskriminierung, Rassismus, Sexismus und insbesondere Gewalt strikt ablehnen. Es zeichnet gerade das Profil des Hauses aus, für Formen der Diskriminierung sensibel zu sein. Aus dieser Haltung heraus werden künstlerische Praktiken geschaffen, die auf eine Öffnung / Widerlegung vorurteilsbehafteter Diskurse zielen; es werden Räume für wenig bekannte künstlerische Positionen und kritische, insbesondere feministische, queere, antirassistische Diskussionen geöffnet; es werden Kunst- und Kulturproduktionen gegen diskriminierende Diskurse und Handlungsmodi entwickelt. Das Ballhaus Naunynstraße hat die Kuratorinnen aufgrund ihrer...

Offener Brief israelischer und jüdischer Kulturschaffender in Berlin

Offener Brief israelischer und jüdischer Kulturschaffender in Berlin Wir, jüdische und israelische Kulturschaffende, Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen, die in Berlin leben oder hier aktiv sind, nehmen hiermit Stellung zu den beunruhigenden Äußerungen mehrerer Organisationen, Journalisten und Politiker, die das Recht auf freie Meinungsäußerung in Bezug auf den Israel-Palästina-Konflikt in Frage gestellt haben. Viele von uns haben Israel verlassen, weil wir das zunehmend beängstigende Klima der Einschüchterung von Kritiker_innen der Besatzungspolitik und der zunehmenden Einschränkungen der Redefreiheit nicht mehr ertragen können oder wollen. Seit mehreren Jahren versucht die rechtsnationalistische Netanjahu-Regierung, progressive und palästinensische Stimmen zum Schweigen zu bringen. So wurden öffentliche Gelder für israelisch-palästinensische Kulturinstitutionen gestrichen, oppositionelle Künstler_innen seitens rassistischer Organisationen bedroht und kritische Stimmen in Universität und Medien wurden und werden unter extremen Druck gesetzt. Wir haben immer gehofft und es in den vergangenen Jahren teilweise auch so erlebt, dass Berlin ein Ort ist, an dem Debatten möglich sind. Angesichts der bedrückenden Entwicklungen in Israel, sind wir entsetzt, nun auch in dieser Stadt zu erleben, dass kritische Äußerungen zu Israels Besatzungspolitik ähnlich unsachlich als “Israel-Hass” oder „antisemitisch“ gebrandmarkt werden. Noch befremdlicher ist es für uns, dass die Rufe nach politischer Zensur auch von Parteimitgliedern und Organisationen kommen, die sich keineswegs in der rechtsnationalistischen Ecke verorten, oder sich sogar als Linke bezeichnen. Anlass für unseren Brief ist die aktuelle öffentliche Kampagne gegen das Ballhaus Naunynstraße und das von ihm mitgetragene palästinensische Kunstfestival “After the Last Sky”, in dem angeblich “anti-israelische Hetze” toleriert wurde. Einmal abgesehen von den Verleumdungen in diesem Zusammenhang, das Festival oder einzelne Beiträge seien gewaltverherrlichend gewesen, begründeten Medien und Politiker im Übrigen den Ruf nach einer Streichung öffentlicher Gelder mit kritischen Äußerungen jüdischer und palästinensischer Mitwirkender_innen über den Staat Israel im Rahmen des Festivals. Des Weiteren wurde die tatsächliche oder angebliche...

Stellungahme der Kuratorinnen des Festivals After the last sky im Ballhaus Naunynstrasse

Das Festival After the last sky bot vom 09.09.-09.10.2016 im Berliner Ballhaus Naunynstrasse ein interdisziplinäres Programm, das die Werke renommierter zeitgenössischer palästinensischer Künstler*innen erlebbar machte. Ca. 1500 kunstinteressierte Teilnehmer*innen besuchten das Festival. In seiner Einzigartigkeit ist das Festival After the Last Sky ein künstlerischer Akt, der Räume des Austauschs und Diskussion eröffnete und auf die Dringlichkeit einer gesellschaftskritischen Kunst im Kontext von Flucht und Vertreibung aufmerksam machte. Der Journalist Johannes C. Bockenheimer trat als Wirtschaftsjournalist in privater Sache auf und besuchte einzelne, wenige Veranstaltungen. Sein Bericht im Tagesspiegel am 20.10.2016 umfasst eine Gesamtbeurteilung des vierwöchigen Festivals mit insgesamt 34 Veranstaltungen. Der Artikel erschien unter der Überschrift „Gegen Israel – mit öffentlichen Geldern“ – ein stark tendenziöser Meinungsartikel von Johannes C. Bockenheimer. Bockenheimer rückt das Festival in ein schlechtes Licht mit dem Vorwurf, es habe sich um ein israelfeindliches Festival gehandelt, es sei sogar „gehetzt“ und Gewalt befürwortet worden. Diese Vorwürfe fanden rasch und ungeprüft mediale Verbreitung. Angelehnt an die Prinzipien der künstlerischen Arbeit des Ballhaus Naunynstrasse lehnen die Kuratorinnen jegliche Form des Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung, Sexismus und Gewalt strikt ab. Der Senat hat eine Prüfung der Vorwürfe angekündigt – angesichts der raschen und ungeprüften medialen Verbreitung der Vorwürfe – ein sinnvoller Schritt. Das Programm des Festivals ist öffentlich, die Kuratorinnen stehen jederzeit gerne zur Besprechung des nicht nur mit dem Ballhaus, sondern auch mit Vertretern des Bezirksamts abgestimmten Programms zur Verfügung. Die Kuratorinnen sind durch die stark tendenziöse und inhaltlich falsche Berichterstattung Johannes C. Bockenheimers schwer in ihren Persönlichkeitsrechten betroffen und werden hiergegen rechtlich vorgehen. Die im Raum stehenden Vorwürfe werden einer objektiven Überprüfung nicht Stand halten. Nach dem...